Zwei­kampf­ver­hal­ten e.V.: Coach mit blauer Trai­nings­ja­cke und dem Schrift­zug Zwei­kampf­ver­hal­ten e.V.

16. September 2014, 14:24 Uhr

Wie Jugend­li­che Konflikte lösen können Mit Anti­ag­gres­si­ons­trai­ning ans Ziel

Mobbing, Provokation, Schlägerei – nicht selten finden sich Jugendliche in handfesten Streitereien wieder. Wie mit Hilfe von Antiaggressionstraining Frust abgebaut, neue Lösungsansätze gefunden und in bessere schulische Leistungen umgewandelt wird, erklärt uns Rebekka Henrich, Geschäftsführerin von Zweikampfverhalten e.V. im Streitlotse-Interview.

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Streitlotse: Nicht zuletzt im Sport lernen junge Menschen heute, wie wichtig es ist, sich rigoros durchzubeißen und durchzusetzen. Warum hat das Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ dennoch seine Berechtigung?

Henrich: Konfrontiert mit schulischem Leistungsdruck oder sportlichem Wettkampf reagieren junge Menschen meist mit unfairem Verhalten, Ausgrenzung und Gewalt. Aus ihrem sozialen Umfeld haben sie erfahren, dass sie dadurch Anerkennung und Gleichberechtigung bekommen. Mit Antiaggressionstrainings helfen wir jungen Menschen, ihre Emotionen positiv zu lenken und ihre Aggressionen zielgerichtet einzusetzen. Durch sportlichen Ehrgeiz können beispielsweise auch Leistungen in der Schule oder im Verein gesteigert werden. Zudem trainieren wir Handlungsstrategien, die dem Gemeinschaftsgeist entsprechen und wovon beide Konfliktparteien profitieren – ganz nach den Worten von Sozialwissenschaftler Rüdiger Dahm: „Ein wahrer Sieger braucht keinen Verlierer.“ Denn wer im Streit nachgibt, ist ja sprichwörtlich klüger und zeigt außerdem Stärke, Mut und Selbstbewusstsein.

Streitlotse: Warum ist es gerade heute so wichtig, eine Kompetenz für die Konfliktlösung zu entwickeln?

Henrich: Der Alltag vieler junger Menschen ist von belastenden Lebensumständen geprägt. Dort geht es immer wieder um den Verfall von Werten wie Respekt, Fairness und Toleranz. Oftmals haben diese Kinder und Jugendlichen eine unbewusste aggressive Haltung. Zu Hause lernen sie keinen angemessenen Umgang mit Konflikten und reagieren deshalb im Alltag oft über. Das wiederum äußert sich in Beleidigungen und Handgreiflichkeiten. Es fällt ihnen schwer, eine konstruktive Lösung zu finden. Mediation ist etwas, das sie erst lernen müssen. Um ihr schulisches und sportliches Potenzial zu entfalten und nutzen zu können, müssen sie sich anbahnende Gewalt frühzeitig erkennen. Im Antiaggressionstraining lernen sie diese zu unterbrechen und Konflikte zu lösen.

Streitlotse: Wie kann man Jugendliche für Themen wie Konfliktlösung und Mediation begeistern – selbst wenn Sie daran zunächst kein Interesse haben?

Henrich: Die Kombination von beispielsweise Fußball oder Basketball mit einem Coolness- und Kompetenztraining eignet sich hervorragend dazu, theoretisches Wissen in praktisches Können zu übersetzen. So werden Werte und Regeln vermittelt – und außerdem Fair Play geübt. Neben Lernerfolgen mit Sportprofis und externen Ehrenamtlichen ist die Einbindung ehemaliger Teilnehmer als eigenverantwortliche Tutoren und positive Vorbilder besonders wichtig für den Erfolg des Projekts.

Streitlotse: Was war in den vergangenen Jahren für Sie die wichtigste Erkenntnis bei der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen?

Henrich: Immer wieder erlebe ich hautnah, wie Kinder und Jugendliche ihre Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit in Konflikten durch das Training bei uns überwinden. Durch diese Formen des Antiaggressionstrainings entwickeln Sie einen Plan B und kameradschaftliche Handlungsalternativen im Konflikt. Die Tutoren sind dabei ein gutes Beispiel dafür, wie junge Menschen ihre Chance auf soziale Mobilität verwirklichen können. Eine gewaltfreie, konstruktive Konfliktlösung kann demnach ebenso trainiert werden wie Passspiel oder Torabschluss.

Streitlotse: Viele Konzepte und Schulungsmodelle für die Konfliktlösung haben Sie selbst erarbeitet. Wie testen Sie diese Modelle auf ihre Tauglichkeit?

Henrich: Wir wollen wirkungsorientiert arbeiten und unsere Konzepte stetig weiterentwickeln. Deshalb legen wir viel Wert auf regelmäßige Erfolgskontrolle, Nachhaltigkeit und Partizipation. Wir binden unsere Zielgruppen aktiv in die Gestaltung der Angebote ein. Dadurch stärken wir ihr Bewusstsein für die zu erreichenden Ziele. In Coolnesstrainings und Schulungen reflektieren und überprüfen die Teilnehmer diese Ziele. Außerdem lernen sie, wie sie das Gelernte im Alltag anwenden können. Um festzustellen, wie nachhaltig und wirksam das Antiaggressionstraining ist, werden unsere Angebote laufend durch interne Besprechungen oder unabhängige Fachkräfte untersucht. Bestes Beispiel für die Tauglichkeit unserer Modelle sind die Erfolgsgeschichten unserer Tutoren.

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