Zwei­kampf­ver­hal­ten e.V. Jugend­li­che Thies Jonas, achtung

25. März 2014, 13:13 Uhr

Reportage Tutoren für Dees­ka­la­ti­on – vom Saulus zum Paulus

Rücksichtslos, aufbrausend und streitbar – das war Eric-Daté Tété. Doch das war einmal – denn heute schult der 20 Jahre alte Hamburger andere Kinder und Jugendliche darin, wie sie Konflikte vermeiden und wie Strategien der Deeskalation konkret wirken können. Er ist Tutor bei dem Verein Zweikampfverhalten (mehr zum Verein lesen Sie im Infokasten unter dem Text). Er zeigt den jungen Leuten, wie sie es schaffen können, im Alltag ohne Provokation, Pöbeleien und Prügeleien auszukommen. Viele der Jugendlichen sind, wie Tété einst war. Bei ihm klappte es mit der Verwandlung vom Saulus zum Paulus – und genau diese Erfahrung motiviert ihn bei seiner Arbeit als Tutor.

Konflikte vermeiden, Streit beilegen: Deshalb ist ein Rechtsschutz sinnvoll. >>

Dees­ka­la­ti­on – das war ein Fremdwort

Zwischen Hauptschule und Sportverein spielte sich das Leben des leidenschaftlichen Fußballers Tété ab. Dort lernte er, wie man sich rücksichtslos durchboxt. „Es war wie ein Teufelskreis“, erinnert er sich. Das Wort Deeskalation existierte für ihn nicht. Im Gegenteil: 2008 bei einem Fußballspiel eskalierte es. „Nach einer guten Anfangsphase ist uns das Spiel total entglitten. Weil wir uns gegenseitig wegen angeblicher Fehler beschimpften und zwei rote Karten kassierten, ging das Spiel mit mehr als zehn Gegentoren verloren“, erinnert sich Tété.

Keiner von ihnen habe Verantwortung übernehmen wollen, Fehler machten immer nur die anderen. Auch sein Trainer war mit der Situation überfordert. Unter den Zuschauern waren damals jedoch Vertreter des Vereins Zweikampfverhalten. Sie sprachen den Trainer an und überredeten ihn dazu, mit dem Team an einem dreimonatigen Coaching teilzunehmen.

Training mit einem Bun­des­li­ga­pro­fi

„Ich konnte mir das mit dem Coaching zunächst überhaupt nicht vorstellen“, sagt Tété. Dennoch hätten er und seine Mitspieler geahnt, dass bei ihnen ein Deeskalationstraining notwendig gewesen sei. „Motiviert hat uns, dass der damalige Profifußballer Bastian Reinhardt bei dem ein oder anderen Training dabei sein wollte. Wir kannten ihn natürlich alle und waren gespannt.“ Dass das Wort Deeskalation schließlich doch noch eine entscheidende Bedeutung im Leben des Eric-Daté Tété erhielt, wurde erst nach dem dreimonatigen Training richtig klar.

„Trotz meiner Vorbehalte habe ich einige Inhalte einfach mal ausprobiert und schnell gemerkt, dass es funktioniert“, sagt er. Als ihn ein Gegenspieler bei einem Spiel provozieren will und ihn beschimpft, bleibt der junge Mann mit den geflochtenen Zöpfen ruhig und reagiert cool. „Früher wäre ich sofort auf ihn losgegangen. Doch in dieser Situation habe ich ihn einfach angegrinst und gesagt: ‚Schon ok’.“ Tété wandte die Strategien der Deeskalation, die ihm bei Zweikampfverhalten vermittelt worden waren, immer mehr im Alltag an.

Die gemein­sa­me Sprache hilft bei der Dees­ka­la­ti­ons­schu­lung

Diese Strategie hatte durchschlagenden Erfolg. Durch das Deeskalations-Training hat sich das Leben des heute 20 Jahre alten Hamburgers grundlegend geändert. „Die Schulung war für mich der Wendepunkt“, erzählt Tété, der sich derzeit auf sein Abitur vorbereitet. Nun zeigt er anderen Heißspornen, was Deeskalation bedeutet. Tété: „Der Vorteil ist: Ich spreche dieselbe Sprache, habe ähnliche Interessen und höre dieselbe Musik wie die Jugendlichen.“

So kann er immer wieder auch anschauliche Beispiele geben – etwa aus der Rap-Musik. „Viele Jugendliche stehen auf Bushido, der von Frauen, Geld und Bandenkriegen rapt. Doch das macht er nur, um Geld zu verdienen. Privat ist der auch verheiratet und Familienvater.“ Das helfe bei vielen Jugendlichen, sich aus dieser Scheinwelt zu lösen. „Außerdem spielen wir während der Coachings zusammen viel Fußball. Häufig verändern die Teilnehmer dort zuerst ihr Verhalten und übertragen das später auf ihren Alltag.“ Und so gelingt vielleicht auch bei ihnen die Verwandlung vom Saulus zum Paulus.

Der Verein Zwei­kampf­ver­hal­ten – durch den Sport verbunden

„Fair im Sport, cool im Alltag“ – so lautet das Motto des Vereins Zweikampfverhalten. Der Verein wurde 2008 von Rebekka Henrich, Veronika Kesoglou, Michel Abdollahi und Bastian Reinhardt gegründet. Sie leiten den Verein noch heute.

Zentraler Bestandteil der Trainings für Kinder und Jugendliche ist der Sport – die Kurse umfassen daher neben theoretischen Übungen auch den sportlichen Ausgleich. Der Vereinsname drückt die Nähe zum Fußball aus. Vereinsgründer Bastian Reinhardt war einst Profispieler des Hamburger SV.

Mittlerweile ist der Verein mehrfach ausgezeichnet worden – unter anderem bei den Wettbewerben „startsocial 2011/2012“ sowie „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2012“. Beim Integrationspreis 2013 des Deutschen Fußballbundes wurde Zweikampfverhalten mit seinem Coolnesstraining in der Kategorie „Freie und kommunale Träger“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Pro Jahr zeigt der Verein rund 300 Kindern und Jugendlichen, wie sie Konflikte vermeiden können.

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