Doppelte Staats­bür­ger­schaft bean­tra­gen: Die Vor­aus­set­zun­gen babimu, Fotolia

30. November 2018, 10:48 Uhr

So geht's richtig Doppelte Staats­bür­ger­schaft bean­tra­gen: Die Vor­aus­set­zun­gen

Die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen darf in Deutschland nur, wer die Voraussetzungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes dafür erfüllt. Die sogenannte Mehrstaatigkeit ist hierzulande erlaubt, aber nicht als Regelfall vorgesehen.

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Beliebter Dop­pel­pass

Laut Mikrozensus 2016 besaßen damals 1,87 Millionen Menschen in der Bundesrepublik zwei Pässe – einen deutschen und einen ausländischen. Wie viele es derzeit sind, lässt sich wegen mangelnder aktueller Zahlen nicht sagen. Klar ist aber, dass viele Bürger sich einen Doppelpass wünschen. Wer ihn bekommen darf, regelt das Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG). Das wurde 2014 geändert. Demnach gibt es verschiedene Konstellationen, die zur doppelten Staatsbürgerschaft führen beziehungsweise dazu berechtigen.

Deutscher und aus­län­di­scher Eltern­teil = doppelte Staats­an­ge­hö­rig­keit

Zu Beginn etwas Grundsätzliches: In der Bundesrepublik gilt das sogenannte Abstammungsprinzip. Das bedeutet: Wer als Kind eines deutschen Elternteils geboren wird, besitzt automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Dabei ist es, egal ob das Kind in Deutschland oder einen anderen Land zur Welt gekommen ist.

Ist zum Beispiel die Mutter deutsch und der Vater nicht, besitzt der gemeinsame Nachwuchs ebenfalls und dauerhaft die deutsche Staatsbürgerschaft. Und gleichzeitig auch jene des Vaters. Das war nicht immer so.

Geset­zes­än­de­rung 2014: Ver­ein­fa­chung für ab 1990 Geborene

Vor der Neufassung des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes mussten sich Kinder mit einem deutschen und einem ausländischen Elternteil bis zu ihrem 24. Geburtstag für eine ihrer beiden Nationalitäten entscheiden. Diese sogenannte Optionspflicht betraf Menschen, die vor 1990 das Licht der Welt erblickten. Heute dürfen Kinder solcher Eltern auf Wunsch ihre Mehrstaatigkeit behalten – wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen: Erstens müssen sie für wenigstens acht Jahre in Deutschland gelebt haben und zweitens in Deutschland acht Jahre – manchmal reichen auch sechs – zur Schule gegangen sein.

Geburts­ort Deutsch­land, beide Eltern aus­län­disch

Seit der Novellierung 2014 gilt: Wird ein Kind mit ausländischen Eltern in Deutschland geboren, erlangt es damit auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Das reicht rückwirkend bis ins Jahr 2000. Voraussetzung: Ein Elternteil besitzt eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung und lebt seit acht Jahren in Deutschland. Außerdem muss das Land der Eltern die doppelte Staatsbürgerschaft zulassen.

Diese Mehrstaatigkeit ist für das betreffende Kind auch nach seiner Volljährigkeit unter gewissen Umständen von Dauer. Es darf seinen Doppelpass weiter führen, wenn eine der folgenden Anforderungen erfüllt ist:

  • Es hat acht Jahre in Deutsch­land gelebt.
  • Es war sechs Jahre hier in der Schule.
  • Es weist eine deutsche schu­li­sche oder beruf­li­che Aus­bil­dung nach.
Doppelte Staatsbürgerschaft beantragen: Die Voraussetzungen

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Deutsche Staats­bür­ger­schaft durch Ein­bür­ge­rung

Die Einbürgerung ist die häufigste Art für Ausländer, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Laut § 10 Abs. 1 Nr. 4 StAG müssen sie dafür allerdings in der Regel ihre bisherige Nationalität ablegen. Nur gewisse Ausnahmen erlauben es, in Deutschland eine doppelte Staatsbürgerschaft zu beantragen. Das gilt für folgende Personenkreise:

  • EU-Bürger
  • Bürger der Schweiz
  • Asyl­be­rech­tig­te
  • aner­kann­te Flücht­lin­ge
  • Spät­aus­sied­ler

Daneben erhalten Menschen einen Doppelpass, deren Herkunftsländer es ihnen nicht gestatten, die ursprüngliche Staatsbürgerschaft aufzugeben. Dazu gehören beispielsweise Iran, Kuba und Marokko. Grundsätzlich gilt auch für die Ausnahmen: Die Antragsteller müssen nachweisen, dass sie mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt oder hier für sechs beziehungsweise acht Jahre eine Schule besucht haben. Und sie müssen bestimmte Nachweise für das Einbürgerungsverfahren vorlegen. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Doppelte Staats­bür­ger­schaft bean­tra­gen: So geht’s

Anlaufstelle ist die Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsbehörde des jeweiligen Wohnorts beziehungsweise der Gemeinde. Manchmal ist auch das Bürgeramt oder die Ausländerbehörde zuständig. Von manchen Behörden wird ein entsprechendes Antragsformular online bereitgestellt. Es ist aber auch ein formloser Antrag möglich. Sind die Anforderungen für die doppelte Staatsbürgerschaft gegeben, müssen folgende Unterlagen abgegeben werden:

  • Antrag auf Ein­bür­ge­rungPrivat Rechtsschutz von ADVOCARD
  • Passkopie
  • Kopie der Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung
  • Arbeits­nach­weis
  • Woh­nungs­nach­weis (Miet­ver­trag)
  • Geburts­ur­kun­de
  • Beleg aus­rei­chen­der deutscher Sprach­kennt­nis­se (Niveau B1)

Wer die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen will, muss zusätzlich einen Einbürgerungstest erfolgreich bestehen. Der umfasst 33 Fragen zu juristischen und
gesellschaftlichen Themen sowie zur demokratischen Grundordnung in Deutschland.

Kosten und Dauer des Ver­fah­rens

Für die Einbürgerung fällt eine Gebühr von 255 Euro pro Person an – auch für Minderjährige. Es sei denn, sie beantragen das Verfahren gleichzeitig mit ihren Eltern. In dem Fall müssen pro Kind nur 55 Euro gezahlt werden. Hinzu kommen gegebenenfalls Ausgaben für beglaubigte Übersetzungen von Formularen und Urkunden. Für den Einbürgerungstest werden 25 Euro aufgerufen. Verfügen die Antragsteller nur über geringe finanzielle Mittel, können die Kosten des Verfahrens verringert oder erlassen werden.

Sobald die Unterlagen vollständig vorliegen, dauert die Bearbeitung im Schnitt etwa sechs Wochen. In dieser Zeit werden sämtliche Voraussetzungen geprüft. Wenn alles in Ordnung ist, schickt die Behörde dem Antragsteller die Einbürgerungsurkunde. Damit können dann deutsche Ausweisdokumente angefordert werden.

FAZIT
  • Einen Dop­pel­pass bekommen in der Regel Kinder mit einem deutschen Eltern­teil sowie jene von aus­län­di­schen Eltern, wenn deren Nachwuchs hier geboren wurden
  • Wer als Ausländer in Deutsch­land die doppelte Staats­bür­ger­schaft bean­tra­gen möchte, muss zuerst seine Ein­bür­ge­rung ver­an­las­sen.
  • Das Verfahren endet mit der Über­sen­dung der Ein­bür­ge­rungs­ur­kun­de. Damit können die frisch­ge­ba­cke­nen Bun­des­bür­ger den Per­so­nal­aus­weis und einen zweiten Reisepass anfordern.

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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