Ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich: Stra­ßen­schild Spiel­stra­ße GAP artwork, Fotolia

2. Mai 2019, 16:00 Uhr

Schritt­ge­schwin­dig­keit Spiel­stra­ße: Geschwin­dig­keit, Parken, Vorfahrt – die Regeln

Ein verkehrsberuhigter Bereich, umgangssprachlich auch Spielstraße genannt, wird durch ein rechteckiges Schild gekennzeichnet, auf dem spielende Menschen, ein Haus und ein Auto auf blauem Hintergrund zu sehen sind. Jeder Autofahrer kennt es. Doch wie sieht es dort mit den Verkehrsregeln aus? Welche Höchstgeschwindigkeit muss man beachten? Wo darf man parken und wer hat Vorfahrt? Hier erfährst du es.

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Spiel­stra­ße und ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich: Ist das dasselbe?

Zunächst zur Begriffsklärung: Wer „Spielstraße“ sagt, meint meist den verkehrsberuhigten Bereich, der durch das oben beschriebene blaue Schild gekennzeichnet ist.

Tatsächlich gibt es daneben auch noch „echte“ Spielstraßen”. Sie sind gekennzeichnet durch ein rundes weißes Verkehrsschild mit rotem Rand – also dem Verbot für Kaftffahrzeuge aller Art. Darunter ist ein kleineres rechteckiges Schild montiert, das ein spielendes Kind mit Ball zeigt.

Das bedeutet: Es gilt ein generelles Durchfahrverbot für Autos und alle anderen Kraftfahrzeuge – die Straße ist nur zum Spielen da. Da davon auch Anwohner der jeweiligen Straße betroffen sind, sind Spielstraßen dieser Art eher selten. Es ist Städten und Gemeinden erlaubt, solche Spielstraßen auf Zeit einzurichten.

Ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich: Hier gilt Schritt­ge­schwin­dig­keit

Zurück zum verkehrsberuhigten Bereich: Grundsätzlich dient der demselben Zweck wie die „echte” Spielstraße – er soll die das Wohnumfeld angenehmer und ein Aufenthaltsort für die Anwohner sein. Nur, dass hier dennoch Autos fahren dürfen. Die Fahrer müssen aber besonders vorsichtig sein, denn spielende Kinder haben Vorrang. Spielstraßen dieser Art gibt es in Deutschland seit den 1980er Jahren.

Regel Nummer eins: Sobald du das rechteckige blaue Schild mit den spielenden Menschen passiert hast, darfst du nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiterfahren. Wie schnell das genau ist, ist in der Straßenverkehrsordnung (StVO) allerdings nicht definiert. Auch die Rechtsprechung kam zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wer sich im Bereich bis 7 km/h bewegt, ist aber in der Regel auf der sicheren Seite.

Da die Geschwindigkeit in diesem niedrigen Bereich nicht ganz so eindeutig vom Tacho abzulesen und zu messen ist, werden meist auch bis zu 10 km/h straffrei toleriert.

Wer aber deutlich zu schnell fährt, riskiert hohe Bußgelder sowie Punkte und kann sogar ein Fahrverbot bekommen.

  • Ab einer Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung um 21 km/h im ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich beträgt das Bußgeld bereits 80 Euro, hinzu kommt ein Punkt in Flensburg.
  • Ein Fahr­ver­bot droht ab 31 km/h zu viel, begleitet von einem Bußgeld in Höhe von 160 Euro und zwei Punkten.
  • Die weiteren Buß­geld­hö­hen sind nach stei­gen­der Geschwin­dig­keit gestaf­felt.
  • Ab 71 km/h über Schritt­ge­schwin­dig­keit zahlen Spiel­stra­ßen-Raser 680 Euro Bußgeld, erhalten zwei Punkte und drei Monate Fahr­ver­bot.
Mädchen hüpft auf der Straße

© Maria Sbytova

Vorfahrt und Parken: Ver­kehrs­re­geln in der Spiel­stra­ße

In einem verkehrsberuhigten Bereich haben Fußgänger stets Vorrang und müssen geschützt werden, denn Gehweg und Fahrbahn sind optisch nicht voneinander abgegrenzt. Spielende Kinder und Passanten dürfen die Straße in voller Breite nutzen.

Das heißt für dich als Autofahrer:

  • Du musst gege­be­nen­falls anhalten, wenn Fußgänger sich vor dir auf der Straße befinden.
  • Neben der gebotenen Schritt­ge­schwin­dig­keit solltest du immer besonders umsichtig fahren, da spielende Kinder uner­war­tet auf­tau­chen könnten.

Dass der verkehrsberuhigte Bereich endet, erkennst du an dem durchgestrichenen blauen Schild. Wer aus einem solchen Bereich herausfährt, muss immer Vorfahrt gewähren – es gilt hier nicht die Regel „rechts vor links“. Oft ähnelt die Pflasterung am Ende einer „unechten” Spielstraße der einer Auffahrt mit abgesenktem Bordstein. Und genau wie beim Verlassen eines Grundstücks hat der Verkehr auf der Straße Vorrang.

Parken darf man in Spielstraßen ausschließlich auf dafür gekennzeichneten Flächen, also nicht einfach irgendwo am Straßenrand. Das Anhalten zum Ein- oder Aussteigen sowie zum Be- und Entladen ist aber außerhalb der gekennzeichneten Parkflächen erlaubt, wenn dadurch niemand behindert oder gefährdet wird.

Advocard-VerkehrsrechtsschutzKann man eine Spiel­stra­ße bean­tra­gen oder selbst ein­rich­ten?

Anwohner können bei der Tiefbaubehörde ihrer Stadt oder Gemeinde einen Antrag auf Verkehrsberuhigung stellen. Dieser muss begründet sein, und es sollte deutlich werden, dass sich die Nachbarschaft in diesem Punkt weitgehend einig ist – etwa durch eine Unterschriftensammlung. Eine Garantie, dass dem Antrag entsprochen wird, gibt es aber nicht.

Die Behörde lehnt deinen Antrag ab? Wir unterstützen dich auch bei solchen Rechtsstreitigkeiten. >>

Wenn die Voraussetzungen für eine Spielstraße in deiner Nachbarschaft nicht erfüllt sind: Auf dem eigenen Grundstück ein selbst gemaltes Schild aufzustellen, das an das Gewissen der Autofahrer appelliert und zum langsamen Fahren mahnt, ist zulässig – solange dadurch niemand bei der Durchfahrt behindert wird und deutlich erkennbar ist, dass es sich um kein offizielles Verkehrsschild handelt.

 

FAZIT
  • In einem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich dürfen Autos nur mit Schritt­ge­schwin­dig­keit fahren. Wer dagegen verstößt, riskiert schnell ein Bußgeld.
  • Ab 21 km/h zu viel kommt ein Punkt in Flensburg dazu, ab 31 km/h zu viel ein Fahr­ver­bot.
  • Fußgänger und spielende Kinder haben Vorrang und dürfen die Straße in ihrer gesamten Breite nutzen. Autos müssen gege­be­nen­falls anhalten.
  • Geparkt werden darf nr auf mar­kier­ten Park­flä­chen.
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