Bei Einbruchdiebstahl mit vorangegangenem Schlüsselklau haftet die Haftpflichtversicherung nicht Andrey Popov, Fotolia

Doppelter Diebstahl Einbruch­dieb­stahl mit Schlüssel: Zahlt die Versi­cherung?

Bei einem Einbruch­dieb­stahl haftet in der Regel die Hausrat­ver­si­cherung für den entstan­denen Schaden. Das gilt aller­dings nicht, wenn der Diebstahl durch Fahrläs­sigkeit des Bewohners begünstigt wurde. Das zeigt ein aktuelles Urteil.

Im Streitfall gut abgesi­chert. >>

Einbruch­dieb­stahl mit gestoh­lenem Schlüssel

Eine Frau aus Münster wurde Opfer von Einbruch­dieb­stahl: Nach einer Firmen­feier ließ sie von einem Kollegen ihr Fahrrad nach Hause schieben, in dessen Korb sich ihre Handtasche befand – darin der Wohnungs­schlüssel und diverse persön­liche Gegen­stände. Die beiden stellten das Rad ab und waren für einige Minuten so abgelenkt, dass jemand unbemerkt die Handtasche stehlen konnte. Noch vor Ort verstän­digte die Frau die Polizei und übernachtete bei einer Verwandten.

Am nächsten Tag stellte sie den Einbruch­dieb­stahl in ihrer Wohnung fest: Mit dem in der Nacht zuvor gestoh­lenen Schlüssel wurden unter anderem Schmuck und Technik entwendet. Sie forderte von der Hausrat­ver­si­cherung Ersatz für die Hälfte des Wertes der gestoh­lenen Sachen – den Gesamtwert gab sie mit 17.500 Euro an. Grund­sätzlich zahlt die Hausrat­ver­si­cherung, wenn sich ein Einbrecher mit einem gestoh­lenen Schlüssel Zutritt zur Wohnung verschafft. In diesem Fall weigerte sich die Versi­cherung, sodass der Fall vor Gericht ging.

Hausrat­ver­si­cherung muss nicht für Fahrläs­sigkeit aufkommen

Es gilt hier, wie in vielen anderen Fällen auch, eine Sorgfalts­pflicht: Konnte der Schlüssel gestohlen werden, weil der oder die Versi­cherte mit Fahrläs­sigkeit gehandelt hat, kann dafür nicht die Versi­cherung in Haftung genommen werden.

So war es auch hier: Die Tasche unbeauf­sichtigt zu lassen, erachtete das Gericht als fahrlässig. Weil sich Schlüssel und persön­liche Dokumente an einem Ort befanden, wurde der Einbruch­dieb­stahl begünstigt, da so eine Zuordnung von Schlüssel und Wohnung möglich war. Das Landge­richt Münster hatte die Klage gegen die Versi­cherung abgewiesen, das Oberlan­des­ge­richt Hamm hat diese Entscheidung bestätigt (AZ 115 O 265/​15).

Wann zahlt die Versi­cherung bei Einbruch­dieb­stahl?

Zusam­men­ge­fasst sind folgende Fälle in der Regel von einer normalen Hausrat­ver­si­cherung abgedeckt:

• Der Einbrecher nutzt einen gestoh­lenen Schlüssel.
• Der Einbrecher dingt unbemerkt ein und versteckt sich in Ihrer Wohnung.
• Der Einbrecher öffnet die Wohnung mit Werkzeug oder falschen Schlüsseln.

Bedingung ist immer, dass nicht durch Fahrläs­sigkeit überhaupt erst die Chance für einen Einbruch geschaffen wurde – indem Sie zum Beispiel Ihre Schlüssel unbewacht haben liegen lassen oder den Diebstahl durch geöffnete Fenster und Türen ermög­licht haben. Wäre der Klägerin etwa die Handtasche vom Arm geraubt worden, wäre die Versi­cherung für den Schaden aufge­kommen.

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