Lächelnde Frau gibt Mann in Büro ein Dokument © iStock.com/LeoPatrizi

15. April 2026, 10:33 Uhr

So geht’s richtig Poli­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis bean­tra­gen: Defi­ni­ti­on, Kosten und Gültigkeit

Du hast dich auf einen neuen Job beworben und dein zukünftiger Arbeitgeber fordert ein polizeiliches Führungszeugnis von dir? Durchatmen – das hat nichts mit Misstrauen zu tun und ist in bestimmten Branchen sogar vorgeschrieben. Wo du das Zeugnis beantragst, wie teuer es ist und was da alles über dich drinsteht, erfährst du hier.

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Was ist ein poli­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis und wann braucht man es?

Ein polizeiliches Führungszeugnis ist ein amtliches Dokument, aus dem ersichtlich wird, ob eine Person in der Vergangenheit bereits straffällig geworden ist oder nicht. Das einfache Führungszeugnis enthält dafür einen Teil der Eintragungen über dich aus dem Bundeszentralregister. Bist du nicht vorbestraft, enthält dein Führungszeugnis nur die Angabe „Keine Eintragung“.

Besonders Arbeitgeber fordern häufig ein Führungszeugnis, bevor sie einen Bewerber oder eine Bewerberin einstellen. Daher kann es gut sein, dass du vor dem Antritt einer neuen Stelle eines vorlegen musst. In bestimmten Berufen ist ein einwandfreies Führungszeugnis besonders relevant, etwa bei Stellen

  • mit hoher Ver­ant­wor­tung gegenüber Schutz­be­foh­le­nen, z. B. als Lehrkraft, in der Kita oder in der Pflege.
  • mit erhöhter Sicher­heits­re­le­vanz, z. B. bei Sicher­heits­diens­ten, in der Luftfahrt oder bei Geld- und Warentransporten.
  • mit Zugang zu sensiblen Ver­mö­gens­wer­ten, z. B. im Ban­ken­we­sen und der Versicherungsbranche.
  • im öffent­li­chen Dienst und bei Behörden, z. B. bei der Polizei, in der Justiz oder bei der Stadtverwaltung.

In bestimmten Fällen brauchst du ein polizeiliches Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde, zum Beispiel wenn du eine Gewerbeerlaubnis beantragst oder nach Führerscheinentzug deine Fahrerlaubnis wiedererhalten willst. Es wird Führungszeugnis Belegart O (Behördenführungszeugnis) genannt und enthält neben strafgerichtlichen Entscheidungen auch bestimmte Entscheidungen von Verwaltungsbehörden.

Gut zu wissen: Neben dem einfachen polizeilichen Führungszeugnis und dem zur Vorlage bei Behörden gibt es auch noch ein erweitertes Führungszeugnis. Die Zeugnisarten unterscheiden sich durch den Umfang der Eintragungen. Zum sogenannten Europäischen Führungszeugnis liest du weiter unten mehr.

INFO

Unter­schied zwischen einfachem und erwei­ter­tem Führungszeugnis

2010 wurde das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis eingeführt, um den Kinder- und Jugendschutz zu stärken. Während geringfügige Verurteilungen im einfachen Führungszeugnis nicht erscheinen, werden sie im erweiterten Zeugnis gelistet.

Dazu zählen insbesondere Verurteilungen wegen Sexual- und Gewaltdelikten gegenüber Kindern. Dies ist besonders relevant für die Eignungsprüfung von Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, etwa Erzieherinnen und Erzieher oder auch Trainer und Trainerinnen im Sportverein.

Security Mann überwacht mit Walkie Talkie Räume auf Monitor
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Inhalt des Füh­rungs­zeug­nis­ses: Das kann drinstehen

Der Inhalt eines Führungszeugnisses ist in § 32 und § 33 Bundeszentralregistergesetz (BZRG) geregelt.

Inhalte eines einfachen Führungszeugnisses sind

  • Ver­ur­tei­lun­gen, sofern sie nicht unter die Ausnahmen fallen (siehe nachfolgend).

Was im einfachen Führungszeugnis nicht aufgelistet wird (Ausnahmen):

  • Jugend­stra­fe von nicht mehr als zwei Jahren, wenn sie zur Bewährung aus­ge­setzt wurde
  • Erst­ma­li­ge Geld­stra­fen von nicht mehr als 90 Tagessätzen
  • Erst­ma­li­ge Frei­heits­stra­fen von nicht mehr als drei Monaten
  • Schuld­sprü­che, bei denen von einer Strafe abgesehen worden ist.

Inhalte eines erweiterten Führungszeugnisses sind

  • die oben genannten Ver­ur­tei­lun­gen, die für das einfache Zeugnis als Ausnahme gelten
  • weitere Ver­ur­tei­lun­gen, die vom Strafmaß über die oben genannten hinausgehen
  • bestimmte Sexu­al­straf­ta­ten oder Straf­ta­ten gegen die per­sön­li­che Freiheit (z. B. Ver­let­zung der Für­sor­ge­pflicht, Ver­brei­tung von Kinderpornografie)

Bei einem Führungszeugnis zur Vorlage bei Behörden werden außerdem aufgenommen:

  • Behör­den­ent­schei­dun­gen: Bestimmte Ent­schei­dun­gen von Ver­wal­tungs­be­hör­den, wie etwa der Widerruf einer Waf­fen­er­laub­nis.
  • Gericht­li­che Fest­stel­lun­gen: Bei­spiels­wei­se über die Unter­brin­gung in einer psych­ia­tri­schen Klinik oder Ent­zugs­an­stalt, sofern das für die betref­fen­de Behörde relevant ist.

Gut zu wissen: Nach Ablauf einer bestimmten Frist werden Verurteilungen nicht mehr in ein Führungszeugnis aufgenommen. Wie lange die Frist jeweils ist, hängt von der verhängten Strafe ab.

Eine Verurteilung zu einer Geldstrafe oder bis zu drei Monaten Freiheitsstrafe wird z. B. nach einer Frist von drei Jahren nicht mehr ins erweiterte Führungszeugnis aufgenommen (§ 34 BZRG Abs. 1 Satz 1). Bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr wegen z. B. sexuellen Kindesmissbrauchs gemäß § 174 Strafgesetzbuch (StGB) beträgt die Frist zwanzig Jahre.

Mädchen-Fußballmannschaft mit Trainerin auf dem Platz in blauen Trikots mit Ball

Bean­tra­gung eines poli­zei­li­chen Füh­rungs­zeug­nis­ses: Wo und wann das geht

Um ein polizeiliches Führungszeugnis zu beantragen, musst du dein 14. Lebensjahr vollendet haben. Bist du noch minderjährig, können deine gesetzlichen Vertreter (z. B. Eltern) den Antrag stellen. Hierfür müssen sie allerdings nachweisen, dass sie vertretungsberechtigt sind.

Wichtig: Bist du über 18 Jahre alt, darfst nur du selbst einen Antrag auf dein Führungszeugnis stellen. Eine Antragstellung durch Bevollmächtigte ist dann nicht möglich.

Für die Beantragung eines einfachen oder erweiterten Zeugnisses für private Zwecke oder zur Vorlage bei einer Behörde gibt es verschiedene Möglichkeiten:

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  • Online-Bean­tra­gung: Über das Online-Portal des Bun­des­am­tes für Justiz (BfJ) kannst du das Zeugnis digital bean­tra­gen. Achtung: Du musst hierfür die Online-Aus­weis­funk­ti­on deines Per­so­nal­aus­wei­ses aktiviert haben.
  • Per­sön­lich: Du kannst das Zeugnis auch vor Ort bei deiner Mel­de­be­hör­de (Rathaus, Gemein­de­amt, Bür­ger­bü­ro) bean­tra­gen. Denke daran, dass du einen Iden­ti­täts­nach­weis vorzeigen musst (Per­so­nal­aus­weis oder Reisepass).
  • Schrift­lich: Wenn du das Zeugnis per Brief oder Mail bei deiner Behörde bean­tra­gen willst, benötigst du eine amtlich oder öffent­lich beglau­big­te Unter­schrift. Infor­mie­re dich am besten vorher tele­fo­nisch bei der Behörde, welche Unter­la­gen du außerdem benötigst.

Ein Führungszeugnis wird immer gedruckt und per Post versendet. In der Regel dauert es mindestens zwei bis drei Wochen, bis dir das Zeugnis vom BfJ zugestellt wird, bei hoher Nachfrage auch sechs bis acht Wochen.

Benötigst du das Zeugnis zur Vorlage bei einer Behörde, dauert es ebenfalls mindestens zwei bis drei Wochen, da es erst an das zuständige Amtsgericht zur Einsichtnahme geschickt wird. Daher solltest du ein Führungszeugnis immer rechtzeitig beantragen, wenn abzusehen ist, dass du es benötigen wirst.

Gut zu wissen: Damit Antragstellende zukünftig schneller ein Führungszeugnis erhalten, hat die Bundesregierung 2026 einen Gesetzesentwurf für die Einführung eines Digitalen Führungszeugnisses beschlossen.Es soll bereits Ende 2026 verfügbar sein (Stand: April 2026).

INFO

Kosten und Gül­tig­keit eines Führungszeugnisses

Ein polizeiliches Führungszeugnis kostet 13 Euro, die du bei Online-Beantragung auch per Kreditkarte bezahlen kannst. Eine feste Gültigkeitsdauer hat ein Führungszeugnis übrigens nicht, da nach der Ausstellung jederzeit ein neuer Eintrag hinzukommen könnte.

Ein Führungszeugnis gibt also immer nur den Stand zum Zeitpunkt der Ausstellung wieder. Liegt dieser zu lange zurück, wird es meist nicht mehr akzeptiert. Arbeitgeber, Behörden und Vereine setzen meist einen Zeitraum von bis zu drei Monaten an, innerhalb dessen das Zeugnis als aktuell genug betrachtet wird.

Euro­päi­sches Füh­rungs­zeug­nis und Mehrsprachigkeit

Das Europäische Führungszeugnis ist eine weitere Art des Führungszeugnisses. Es dient dem Nachweis der Straffreiheit von Personen, die neben oder anstatt der deutschen Staatsangehörigkeit die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedstaats besitzen.

  • Zweck: Es wird aus­ge­stellt, wenn EU-Staats­an­ge­hö­ri­ge ein Füh­rungs­zeug­nis bean­tra­gen, und macht Ver­ur­tei­lun­gen aus dem Her­kunfts­mit­glied­staat im deutschen Füh­rungs­zeug­nis sichtbar.
  • Inhalt: Es enthält Ein­tra­gun­gen aus dem deutschen Bun­des­zen­tral­re­gis­ter sowie Mit­tei­lun­gen über Ein­tra­gun­gen im Straf­re­gis­ter des Her­kunfts­mit­glied­staa­tes (in der über­mit­tel­ten Sprache).
  • Kosten: Die Gebühr beträgt ebenfalls 13 Euro. Unter gewissen Umständen ist eine Gebüh­ren­be­frei­ung möglich.
  • Dauer der Bean­tra­gung: Da eine Anfrage an den Her­kunfts­mit­glied­staat erfolgt, der innerhalb von 20 Arbeits­ta­gen antworten muss, kann die Aus­stel­lung insgesamt bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen.
  • Bean­tra­gung: Das Euro­päi­sche Füh­rungs­zeug­nis kann ebenfalls über das Online-Portal des BfJ, bei der örtlich zustän­di­gen Mel­de­be­hör­de oder aus dem Ausland schrift­lich beim BfJ beantragt werden.

Übrigens: Das Führungszeugnis wird immer auf Deutsch, Englisch und Französisch ausgestellt. Deine Personendaten und die Informationen über Eintragungen sind also dreisprachig im Führungszeugnis aufgeführt.

Für die Vorlage in anderen Sprachen (z. B. Spanisch, Portugiesisch, Türkisch) ist meist eine beglaubigte Übersetzung nötig.

Du hast Probleme mit Behörden? Als Kunde von ADVOCARD beraten wir dich rund um die Uhr telefonisch oder online.

FAQ

  • Was ist ein poli­zei­li­ches Führungszeugnis?

Ein polizeiliches Führungszeugnis ist eine behördliche Urkunde, die Auskunft über die Vorstrafen einer Person gibt und bestätigt, ob Einträge im Bundeszentralregister vorliegen. Es dient gegenüber (potenziellen) Arbeitgebern oder Behörden als Nachweis der persönlichen Eignung und Zuverlässigkeit.

  • Wo beantrage ich ein poli­zei­li­ches Führungszeugnis?

Du kannst das Führungszeugnis entweder persönlich bei deinem zuständigen Meldeamt (Bürgeramt) oder online über das Portal des Bundesamts für Justiz beantragen. Wenn du das Zeugnis schriftlich beantragen willst (z. B. per Brief), benötigst du eine beglaubigte Unterschrift.

  • Was kostet ein poli­zei­li­ches Führungszeugnis?

Ein polizeiliches Führungszeugnis kostet dich 13 Euro.

  • Wie lange ist ein poli­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis gültig?

Es gibt keine allgemeine Gültigkeitsdauer eines Führungszeugnisses, da es durch eine dem Bundesministerium für Justiz gemeldete Straftat jederzeit „ungültig“ werden kann. Daher geben Behörden und Arbeitgeber oftmals vor, dass ein Führungszeugnis bei Vorlage maximal drei Monate alt sein darf.

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