Iden­ti­täts­dieb­stahl im Internet: Schutz und Tipps für Betrof­fe­ne ©vectorfusionart/Fotolia

9. Mai 2019, 8:38 Uhr

Durch­at­men Iden­ti­täts­dieb­stahl im Internet: Schutz und Tipps für Betrof­fe­ne

Identitätsdiebstahl im Internet führt in der Regel dazu, dass sensible personenbezogene Daten missbräuchlich verwendet werden. Hier liest du, wie Täter an deine Daten gelangen können, was du tun kannst, um dich zu schützen – und wie es mit deinen Rechten und Ansprüchen aussieht, wenn du von Identitätsdiebstahl betroffen bist.

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Typische Formen von Iden­ti­täts­miss­brauch im Internet

Ein Identitätsdiebstahl ermöglicht es den Tätern, fremde personenbezogene Daten für kriminelle Zwecke zu nutzen. Das Perfide dabei: Oft merken die Betroffenen zunächst gar nicht, dass ihre Daten ausgespäht wurden und missbraucht werden – bis dann zum Beispiel ein Schreiben vom Inkasso-Büro im Briefkasten landet.

Das können die Folgen von Identitätsdiebstahl sein:

  • Shoppen auf Kosten der Opfer: Die Täter bestellen  mit gestoh­le­nen Daten in Online-Shops, melden sich bei kos­ten­pflich­ti­gen Dating-Portalen oder Streaming-Diensten an oder schließen Han­dy­ver­trä­ge ab. Die Rechnung erhalten jeweils die bestoh­le­nen Ver­brau­cher.
  • Was auch vorkommt: Täter kaufen in falschem Namen Lizenz­schlüs­sel für Software, die sie dann wei­ter­ver­kau­fen.
  • Bank­kon­ten können leer­ge­räumt werden, sobald die Täter Zugriff auf das Online-Banking haben.
  • Aus­ge­späh­te Daten werden verwendet, um falsche Profile in sozialen Netz­wer­ken, Blogs oder Foren anzulegen. Die Täter agieren dann unter der Identität des Opfers und bitten zum Beispiel Facebook-Freunde um Geld oder ver­brei­ten strafbare Inhalte.
  • Das Ganze kann so weit gehen, dass unzählige Parallel-Iden­ti­tä­ten entstehen, von denen das Opfer nichts ahnt. Wer Geburts­da­tum, Adresse und Per­so­nal­aus­weis­num­mer kennt, kann sich online in fast jeder Situation als jemand anderes ausgeben.

Wie kommen die Täter an deine Daten?

Eine beliebte Methode ist nach wie vor Phishing, also die gezielte Abfrage personenbezogener Daten durch gefälschte E-Mails. Die goldene Regel ist hier: Daten wie Passwörter, PIN, Kreditkartennummern und Co. nie herausgeben, wenn eine verdächtige Mail danach fragt.

Manchmal sind Datenlecks bei großen Unternehmen wie E-Mail-Providern oder Online-Händlern die Ursache dafür, dass Daten in unbefugte Hände gelangen. Häufiger aber gehen Internetnutzer selbst viel zu sorglos mit ihren Daten und Passwörtern um.

Schutz vor Iden­ti­täts­dieb­stahl im Internet: 7 einfache Regeln, die jeder befolgen sollte

Um Identitätsdieben ihr Vorhaben zu erschweren, solltest du grundsätzlich sparsam mit deinen Daten umgehen und stets hinterfragen, warum du welche Informationen wo angeben sollst. Auch wirksamer Passwortschutz ist wichtig. Die wichtigsten Regeln:

  • Halte Viren­schutz und Firewall auf deinem PC stets auf dem neuesten Stand.
  • Sei vor­sich­tig, wenn du per Mail nach ver­trau­li­chen Daten oder Pass­wör­tern gefragt wirst – ver­mut­lich handelt es sich um Phishing (siehe oben).
  • Nutze sichere Pass­wör­ter: Jedes sollte min­des­tens zehn Zeichen lang sein, Klein- und Groß­buch­sta­ben und auch Son­der­zei­chen enthalten.
  • Denke dir für jeden Online-Shop und jedes Nut­zer­kon­to ein eigenes Passwort aus und wechsele sie regel­mä­ßig – auch wenn das aufwendig ist. Eine Passwort-Manager-Software kann dir dabei helfen, dass du dir nicht jedes einzelne Passwort notieren musst.
  • Apropos notieren: Keine Passwort-Listen auf Zetteln, im PC oder auf dem Handy anlegen – das Risiko, dass sie dort entdeckt werden, ist zu groß.
  • Auf Papier ist alles sicher und kann nicht aus­ge­späht werden? Leider nicht: Rech­nun­gen, Kon­to­aus­zü­ge und Co. solltest du vor dem Wegwerfen immer schred­dern. Sonst kann jeder, der Zugang zu deiner Mülltonne hat, deine ver­trau­li­chen Daten einfach mitnehmen.
  • Akzep­tie­re Freund­schafts­an­fra­gen in sozialen Medien grund­sätz­lich nur von Leuten, die du per­sön­lich kennst. Und: Nutze die Pri­vat­sphä­re-Ein­stel­lun­gen. Nicht jeder flüchtige Bekannte muss jede private Info von dir sehen.

Deine Daten wurden aus­ge­späht? Das solltest du jetzt tun

  • Wenn du Opfer von Iden­ti­täts­dieb­stahl im Internet geworden bist, ist eines ganz wichtig: Aktiv werden und mit den Online-Shops oder anderen angeb­li­chen Ver­trags­part­nern in Kontakt treten. Weise darauf hin, dass deine Daten miss­bräuch­lich verwendet wurden und du keine Bestel­lun­gen getätigt hast.
  • Ebenfalls wichtig: Straf­an­zei­ge bei der Polizei stellen. Dann gibt es ein Akten­zei­chen und du kannst Inkasso-Dienst­leis­ter oder mahnende Online-Shops darauf verweisen. Auch zivil­recht­li­che Schritte wie eine Abmahnung oder Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen gegen die Täter können infrage kommen.
  • Damit deine Kre­dit­wür­dig­keit nicht leidet bezie­hungs­wei­se schnell wieder her­ge­stellt ist, kannst du bei der Schufa eine soge­nann­te "Eil­mel­dung von Iden­ti­täts­be­trug" abgeben.

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Wenn dein Bankkonto betroffen ist, solltest du schnellstmöglich deine Bank und gegebenenfalls das Kreditkarteninstitut informieren und Konto und Karten sperren lassen.

Dein Konto wurde bereits leergeräumt? Gemäß § 675u Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) handelt es sich dabei prinzipiell um einen "nicht autorisierten Zahlungsvorgang", der die Bank verpflichtet, dir das Geld zurückzuerstatten.
Das Problem dabei: Du musst belegen können, dass ein Unbefugter und nicht du selbst die Überweisungen getätigt hast.
Und: Die Bank kann auch Schadenersatzansprüche an dich anmelden, wenn du gegen deine Sorgfaltspflichten verstoßen hast – etwa, wenn du deine PIN zusammen mit der Karte aufbewahrt hast oder in anderer Weise fahrlässig mit deinen Daten umgegangen bist.
Bei Streit mit der Bank über die Rückerstattung von Geld, das aufgrund von Datendiebstahl abhandengekommen ist, ist es daher ratsam, einen Anwalt einzuschalten.

Damit du den Diebstahl deiner Daten überhaupt mitbekommst, solltest du regelmäßige Checks durchführen, etwa durch das Anfordern einer Selbstauskunft bei der Schufa und gegebenenfalls bei anderen Auskunfteien. So kannst du überprüfen, ob dort Einträge zu finden sind, mit denen du nichts zu tun hast.

Welche Strafen drohen für Iden­ti­täts­dieb­stahl?Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

Aktuell (Stand: Mai 2019) ist Identitätsdiebstahl in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Oft sind dadurch aber faktisch andere Straftatbestände erfüllt, zum Beispiel:

  • Urkun­den­fäl­schung gemäß § 276 Straf­ge­setz­buch (StGB)
  • Fälschung beweis­er­heb­li­cher Daten gemäß § 269 StGB
  • Com­pu­ter­be­trug gemäß § 263a StGB
  • Ausspähen und Abfangen von Daten gemäß § 202a StGB

In all diesen Fällen sind Geldstrafen und mehrjährige Freiheitsstrafen möglich – wenn es gelingt, die Täter zu identifizieren und dingfest zu machen.

Unangenehm kann es auch werden, wenn Strafanzeigen oder Anklagen beim ahnungslosen Opfer des Identitätsdiebstahls landen, nachdem in dessen Namen Straftaten begangen wurden. Auch hier ist Unterstützung durch einen Anwalt dringend zu empfehlen, um den Sachverhalt aufzuklären und Strafverfahren abzuwenden.

FAZIT
  • Iden­ti­täts­dieb­stahl ermög­licht es Betrügern, die per­sön­li­chen Daten ihrer Opfer für kri­mi­nel­le Zwecke zu miss­brau­chen.
  • Oft gelangen die Täter durch Phishing-Mails an die Daten – aber auch sorgloser Umgang mit Pass­wör­tern und per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen machen es ihnen leicht.
  • Wer betroffen ist, sollte Straf­an­zei­ge stellen und den Iden­ti­täts­dieb­stahl bei der Bank, der Schufa und allen weiteren rele­van­ten Stellen melden.
  • Unter­stüt­zung durch einen Anwalt ist dabei sehr zu empfehlen – vor allem, wenn du nach­wei­sen musst, dass du selbst Opfer bist und keine Straf­ta­ten begangen hast.
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