Mehrere Minijobs gleich­zei­tig: Was ist erlaubt? ©pikselstock/Fotolia

5. Juni 2019, 8:42 Uhr

Darf ich eigent­lich? Mehrere Minijobs gleich­zei­tig: Was ist erlaubt?

Es ist möglich, mehrere Minijobs gleichzeitig anzunehmen. Allerdings nicht, dabei unbegrenzt viel zu verdienen, ohne Sozialabgaben zahlen zu müssen. Hier erfährst du, welche Bedingungen für Mehrfach-Minijobber gelten – mit oder ohne Hauptbeschäftigung.

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Darf man mehrere Minijobs haben?

Grundsätzlich: ja. Es ist nicht verboten, mehrere Minijobs gleichzeitig anzunehmen. Allerdings musst du dabei in der Regel die Verdiensthöchstgrenze von 450 Euro im Monat im Blick behalten. Besondere Vorgaben sind zu berücksichtigen, wenn du außerdem noch eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung hast.

Die grundsätzliche Regelung lautet: Als Minijobber zahlst du keine Abgaben für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn du maximal 450 Euro im Monat verdienst. Von der Beitragspflicht zur Rentenversicherung kannst du dich auf Antrag befreien lassen – und so das gesamte Geld netto aufs Konto bekommen.

Aber: Ein Minijob kann natürlich auch deutlich weniger einbringen als 450 Euro – je nachdem, wie viele Stunden die Tätigkeit umfasst.

 

Fall 1: Mehrere Minijobs ohne Haupt­be­schäf­ti­gung

In diesem Fall spricht für alle Minijobber, die keinen sozialversicherungspflichtigen Hauptjob haben, nichts dagegen,  gleichzeitig noch weitere Minijobs anzunehmen. Deren Zahl ist theoretisch unbegrenzt.

Voraussetzung für das Ausüben mehrerer Minijobs ohne Hauptbeschäftigung ist allerdings:

  • Das Arbeits­ent­gelt aus allen Minijobs zusam­men­ge­rech­net darf im Monat nicht mehr als 450 Euro ergeben, damit die Beschäf­ti­gung sozi­al­ver­si­che­rungs­frei bleibt. Steigt es über 450 Euro, musst du Beiträge zur Sozi­al­ver­si­che­rung zahlen – und zwar für sämtliche Minijobs, ob sie dir nun 50 oder 350 Euro pro Monat ein­brin­gen. Ob sich das lohnt, solltest du im konkreten Fall durch­rech­nen.
    Du musst alle deine Minijob-Arbeit­ge­ber über alle weiteren Minijobs infor­mie­ren, die du ange­nom­men hast.

Gut zu wissen ist in diesem Zusammenhang:

  • Einen Minijob zu ver­schwei­gen, ist auf legalem Weg nicht möglich, denn der Arbeit­ge­ber muss die Tätigkeit bei der Minijob-Zentrale anmelden.
  • Und: Auch für Mini­job­ber gilt der Min­dest­lohn. Die Zahl der Stunden, die du pro Monat auf ver­schie­de­ne Arbeit­ge­ber verteilen kannst, ist somit begrenzt, wenn du nicht über 450 Euro kommen willst.

Welche Rechte du als Minijobber außerdem hast, erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Person, die Fenster putzt

©Alexander Raths/Fotolia

 

Fall 2: Mehrere Minijobs neben der Haupt­be­schäf­ti­gung

Ein einziger Minijob neben dem Hauptberuf ist steuerfrei, und auch Abgaben für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fallen dafür nicht extra an. Das gilt unabhängig davon, ob du deinen Haupt-Job in Vollzeit oder in Teilzeit ausübst.

Du musst allerdings einige Grundregeln beachten. Zum Beispiel musst du deinen Haupt-Arbeitgeber über den Minijob informieren und er muss zustimmen. Mehr zu den gesetzlichen Regelungen erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Mehrere Minijobs neben der sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung machen den Fall schon etwas kniffliger. Grundsätzlich ist das ebenfalls erlaubt. Dennoch gelten besondere Regeln:

  • Sämtliche Arbeit­ge­ber müssen Bescheid wissen, und dein Haupt-Arbeit­ge­ber muss zustimmen.
  • Außerdem bleibt nur der – zeitlich gesehen – erste Minijob, den du neben deiner Haupt­be­schäf­ti­gung ange­nom­men hast, sozi­al­ver­si­che­rungs­frei. Dabei ist es uner­heb­lich, ob du dort genau 450 Euro oder weniger verdienst.
  • Ein zweiter und jeder weitere dau­er­haf­te Minijob werden zum Hauptjob hin­zu­ge­rech­net und damit sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig. Das heißt: Du musst dafür Beiträge zur Kranken-, Renten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung leisten.
  • Du darfst dir nicht aussuchen, welcher Minijob als "erster" gilt und damit abga­ben­frei bleibt. Ent­schei­dend ist das Datum der Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me.

Eine Ausnahme bilden dabei sogenannte kurzfristige Minijobs, bei denen die Beschäftigung in einem Kalenderjahr auf maximal drei Monate beziehungsweise 70 Arbeitstage beschränkt ist. Einen solchen Job darfst du zusätzlich zur Hauptbeschäftigung und deinem ersten Minijob ausüben, ohne dass Abgaben anfallen.

 

Mehrere Minijobs als Selbst­stän­di­ger oder als RentnerMehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Selbstständige dürfen neben ihrer Hauptbeschäftigung Minijobs ausüben – auch mehrere. Welcher Minijob dabei der erste war und welche Jobs zusätzlich angenommen wurden, ist unerheblich.

Hier gilt allerdings wie in Fall 1: Die Einkünfte aus den Minijobs dürfen 450 Euro pro Monat nicht übersteigen – sonst werden alle Minijobs sozialversicherungspflichtig.

Rentner dürfen grundsätzlich ebenfalls mehrere Minijobs haben. In Sachen Sozialversicherungspflicht kommt es allerdings bei Überschreiten der 450-Euro-Grenze darauf an,

  • welche Art der Rente bezogen wird, zum Beispiel Alters­ren­te oder Hin­ter­blie­be­nen­ren­te
  • und ob der jobbende Rentner bereits die Regel­al­ters­gren­ze erreicht hat. Die liegt für alle vor 1947 Geborenen bei 65 Jahren und für alle ab 1965 Geborenen bei 67 Jahren. Für die Jahrgänge dazwi­schen steigt die Grenze in Abstu­fun­gen monats­wei­se an.

Was in deinem individuellen Fall gilt, kannst du bei deiner Rentenversicherung erfragen.

FAZIT
  • Ob Student, Arbeit­neh­mer, Rentner oder Selbst­stän­di­ger: Grund­sätz­lich darf jeder mehrere Minijobs gleich­zei­tig ausüben.
  • Für alle, die nebenbei keine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Haupt­be­schäf­ti­gung haben, ist dabei vor allem die 450-Euro-Ver­dienst­gren­ze relevant: Wenn mehr verdient wird, werden alle Minijobs sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig.
  • Für alle, die einen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Hauptjob haben, ist nur ein Minijob bis 450 Euro Verdienst abga­ben­frei. Alle weiteren dauerhaft aus­ge­üb­ten Minijobs sind sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig.
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