Organ­spen­der werden: Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ©blende11.photo/Fotolia

23. Juli 2019, 8:38 Uhr

Darf ich eigent­lich? Organ­spen­der werden: Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen

Wer kann Organspender werden – und was ist dabei zu bedenken? Für viele Patienten hängt von der Entscheidung pro oder contra Organspende alles ab: In Deutschland warten zurzeit laut der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant etwa 9.400 Menschen auf ein Spenderorgan (Stand April 2019).

Hier erfährst du, wie man Organspender werden kann und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dabei gelten.

Unsicher bei Vorsorgefragen? Wir unterstützen dich. >>

 

Für Organ­spen­der in Deutsch­land maß­geb­lich: Das Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz

Das Transplantationsgesetz (TLP) regelt seit 1997 die Entnahme sowie die Übertragung und Vermittlung der Organe, die zu Lebzeiten oder nach dem Tod gespendet werden.

Für Organentnahmen nach dem Tod gilt laut dem TLP:

  • Zwei Ärzte müssen unab­hän­gig von­ein­an­der den end­gül­ti­gen Hirntod fest­stel­len, bevor eine Organ­ent­nah­me statt­fin­den darf.
  • Außerdem muss zwingend die zuvor gegebene Ein­wil­li­gung des Organ­spen­ders vorliegen.

Weiterhin sieht das TLP eine klare Trennung der Bereiche Organspende, -vermittlung sowie -transplantation vor. Dazu legt es verschiedene Zuständigkeiten fest: Die Organspende selbst wird von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) organisiert, für die Vermittlung der Spenden ist die Stiftung Eurotransplant (ET) zuständig.

 

Ent­schei­dungs­lö­sung: Organ­spen­der muss aktiv zuge­stimmt haben

Jedem steht es frei zu entscheiden, ob er seine Organe nach dem Tod spenden möchte. In Deutschland gilt die Entscheidungslösung (Stand: Juli 2019). Sie bestimmt, dass Verstorbenen nur dann Organe entnommen werden dürfen, wenn sie zu Lebzeiten selbst oder ihre Angehörigen posthum der Entnahme zugestimmt haben.

Außerdem soll die Entscheidungslösung sicherstellen, dass sich alle Krankenversicherten mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und eine bewusste Entscheidung treffen, ob sie im Todesfall Organe spenden wollen oder nicht. Aus diesem Grund versenden die Krankenversicherungen Versicherten ab dem 16. Lebensjahr alle 24 Monate Informationsmaterial sowie den Organspendeausweis kostenlos zu.

Derzeit wird in der Bundespolitik als Alternative zur Entscheidungslösung die Widerspruchslösung diskutiert. Sollte sie eingeführt werden, wäre die Entscheidung zur Organspende weiterhin freiwillig. Allerdings müsste jeder, der keine Organe spenden will, dem aktiv widersprechen – sonst käme er potenziell als Organspender in Betracht. Der Bundestag wird dazu voraussichtlich im Lauf des Jahres 2019 abstimmen.

 

Wer kann Organ­spen­der werden?

Praktisch kann jeder Organspender werden, der es möchte - es gibt kein gesetzlich festgelegtes Höchstalter. Entscheidend ist das biologische Alter der Organe: Sind sie funktionsfähig, können sie auch wesentlich jüngeren Organempfängern das Leben wieder lebenswert machen.

Die Fähigkeit zum Spenden kann allerdings durch bestimmte Infektionskrankheiten oder durch Diabetes eingeschränkt sein. Diese sollten im Organspendeausweis angegeben werden, damit die behandelnden Ärzte gleich Bescheid wissen. Bestimmte Nervenkrankheiten, Diabetes, eine HIV-Infektion oder eine nicht ausgeheilte Krebserkrankung machen eine Organspende unmöglich.

Und was, ein potenzieller Organspender erkrankt ist, davon aber zum Zeitpunkt seines Todes noch nichts wusste? Ärzte müssen vor jeder Entnahme sorgsam prüfen, welche Organe zum Spenden infrage kommen – und welche nicht.

Nach dem Tod können beispielsweise die Bauchspeicheldrüse, der Dünndarm, die Leber, die Lunge, die Niere oder auch das Herz gespendet werden. Auch Körpergewebespenden sind möglich. Es ist möglich, auf dem Organspendeausweis ausdrücklich bestimmte Organe zur Spende freizugeben oder sie davon auszuschließen.

Lebende Personen können zum Beispiel eine ihrer Nieren an Partner, Verwandte oder sonstige ihnen nahe stehende Personen spenden. Allerdings darf ihnen durch die Transplantation kein dauerhafte gesundheitliches Risiko entstehen. Dazu müssen sie umfassend aufgeklärt werden, wie 2019 auch der BGH mit einem Urteil bekräftigt hat.

 

Zustim­mung durch den Organ­spen­de­aus­weisMehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

Wenn du Organspender werden willst, musst du einen Organspendeausweis ausfüllen und ständig mitführen, zum Beispiel in deiner Geldbörse. Bereits ab dem 16. Geburtstag kannst du diese Entscheidung für dich fällen, bereits ab 14 Jahren kannst du dich dagegen aussprechen. Der Ausweis ist verbindlich und soll für Klarheit sorgen, denn oft wissen Angehörige einer verstorbenen Person nicht, ob sie zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat.

Mit dem Ausweis legt sich ein potenzieller Spender übrigens nicht unwiderruflich fest: Du kannst ihn jederzeit vernichten und wieder einen neuen ausfüllen, ein Widerspruch ist nicht notwendig. Erhältlich ist das Dokument in Apotheken, Arztpraxen oder über bei den Krankenversicherungen.

Übrigens: Nicht jeder, der einen Organspendeeausweis trägt, wird nach seinem Tod auch automatisch zum Spender. Eine Organspende ist in der Regel nur dann möglich, wenn ein Spender auf einer Intensivstation an einem Hirntod verstirbt. In so einem Fall ist der Mensch tot, sein Kreislauf wird jedoch noch künstlich am Leben gehalten. Das trifft lediglich auf nur zwei Prozent der Sterbefälle in Krankenhäusern zu.

 

Andere Länder, andere Rege­lun­gen: Vor Aus­lands­rei­sen infor­mie­ren

In anderen Ländern gibt es beim Thema Organspende andere gesetzliche Regelungen. Wichtig: Diese Regelungen gelten oft nicht nur für die Staatsangehörigen der Länder, sondern für alle Personen, die sich in dem jeweiligen Staat aufhalten. Bei Reisen ins Ausland ist es daher empfehlenswert, sich vorab über die Organspendegesetze des betreffenden Landes zu informieren und sich gegebenenfalls einen Organspendeausweis in Landessprache zu beschaffen.

Artikel teilen

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.