Zwi­schen­zeug­nis anfordern: Haben Arbeit­neh­mer Anspruch darauf? Eine junge Frau mit kurzen Haaren sitzt an einem Büro-Schreib­tisch einer älteren Frau gegenüber. con­trast­werk­statt, Fotolia

19. Dezember 2016, 13:26 Uhr

Triftige Gründe erfor­der­lich Zwi­schen­zeug­nis anfordern: Haben Arbeit­neh­mer Anspruch darauf?

Wenn Sie als Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis anfordern, sollten Sie einen guten Grund dafür nennen können. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu erstellen, bedeutet für den Arbeitgeber schließlich einen gewissen Aufwand. Eine verbindliche gesetzliche Verpflichtung zur Erstellung eines Zwischenzeugnisses existiert zudem nicht.

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Triftige Gründe: Arbeit­ge­ber muss ein qua­li­fi­zier­tes Arbeits­zeug­nis aus­stel­len

Doch auch wenn es keinen gesetzlichen Anspruch gibt: Hat der Arbeitnehmer sogenannte triftige Gründe, ein Zwischenzeugnis anzufordern, muss der Arbeitgeber ihm ein solches Dokument erstellen. Triftige Gründe, aus denen Arbeitsgerichte im Normalfall eine Verpflichtung des Arbeitgebers zur Erstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses während eines laufenden Vertrags ableiten, gibt es einige. Ein guter Grund für ein Zwischenzeugnis sind beispielsweise Positionswechsel innerhalb des Unternehmens. Wenn Sie also in eine andere Abteilung wechseln, haben Sie Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis von Ihrem alten Vorgesetzten – insbesondere dann, wenn sich Ihr Aufgabenbereich mit dem Wechsel ändert. Auch wenn Sie einen neuen Vorgesetzten bekommen, gilt dies als triftiger Grund, um ein Zwischenzeugnis anzufordern. Schließlich kann der neue Vorgesetzte ihre bisherigen Leistungen kaum beurteilen.

Bei Arbeitsrechtsfragen sind wir Ihr Partner!Vor längeren Auszeiten Zwi­schen­zeug­nis anfordern

Auch vor längeren Auszeiten, beispielsweise wenn Sie in Elternzeit gehen oder ein Sabbatical nehmen, ist es legitim, wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern. Gleiches gilt, wenn Sie schon längere Zeit im Unternehmen arbeiten, aber bislang noch nie eine Bewertung Ihrer Leistung erhalten haben. Als Faustregel gilt: Im Schnitt alle drei Jahre ein Zwischenzeugnis als Leistungsbeurteilung anzufordern, ist durchaus legitim.

Geplanter Job­wech­sel nicht immer ein triftiger Grund

Nicht selten steckt hinter der Bitte um ein Zwischenzeugnis allerdings die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen. Dies dem aktuellen Arbeitgeber auf die Nase zu binden, ist zum einen in vielen Fällen nicht ratsam. Zum anderen gilt diese Absicht nicht als triftiger Grund für ein qualifiziertes Arbeitszeugnis während des laufenden, unbefristeten Arbeitsvertrags. Anders ist die Situation allerdings, wenn Ihre Firma übernommen wird und im Zuge dessen der Wegfall von Arbeitsplätzen zu erwarten ist. Dann liegt ein triftiger Grund vor. Gleiches gilt, wenn ihr Arbeitgeber offiziell angekündigt hat, aus betriebsbedingten Gründen Stellen streichen zu wollen. In diesem Fall können Sie ebenfalls problemlos ein Zwischenzeugnis anfordern.

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