Kern­ar­beits­zeit: Das müssen Arbeit­neh­mer dazu wissen New Africa, Fotolia

5. März 2019, 12:26 Uhr

Darf ich eigent­lich? Kern­ar­beits­zeit: Das müssen Arbeit­neh­mer dazu wissen

Die Kernarbeitszeit bestimmt, wann alle Mitarbeiter gleichzeitig in einem Unternehmen anwesend sein müssen.  Das soll einen reibungslosen Betriebsablauf gewährleisten. Eigentlich eine klare Sache. Doch vor allem bei flexiblen Arbeitszeitmodellen sorgt das Thema immer wieder für Unsicherheiten.

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Defi­ni­ti­on: Wer ent­schei­det über die Kern­ar­beits­zeit?

Gibt ein Arbeitgeber eine feste Arbeitszeit vor, dann ist das automatisch für alle Beschäftigten die Kernarbeitszeit. Bietet er allerdings einen flexiblen Rahmen an, sprich Gleitzeit, sieht das anders aus.

Bei Gleitzeitarbeit mit Kernarbeitszeitregelung unterteilt sich der Arbeitstag in drei Phasen:

  • Ein­gleit­zeit: Zeit­fens­ter für den Arbeits­be­ginn – zum Beispiel 8:00 bis 10:00
  • Kern­ar­beits­zeit: Zeitraum, in dem alle Mit­ar­bei­ter anwesend sein müssen – zum Beispiel 10:00 bis 16:00
  • Aus­gleit­zeit: Zeit­fens­ter für Diens­ten­de – zum Beispiel 16:00 bis 18:00

In diesem Beispiel könntest du also bei einem Acht-Stunden-Tag morgens um 8:00 beginnen und pünktlich um 16:00 Feierabend machen, oder um 9:30 kommen und um 17:30 gehen und so weiter. Was aber nicht geht: Um 7:00 anfangen und um 14:00 gehen oder um 11:00 anfangen und bis 19:00 arbeiten.

Wie eng der Rahmen für die einzelnen Phasen gesteckt ist, entscheidet der Arbeitgeber und ist immer abhängig vom individuellen Betrieb. Eine gesetzliche Regelung gibt es für Kernarbeitszeiten nicht. Das wäre auch nicht sinnvoll, da sie dazu dienen, die spezifischen Betriebsabläufe zu sichern – zum Beispiel, indem zu Stoßzeiten genug Personal im Laden ist oder im Büro alle für wichtige Meetings anwesend sind.

Vertraglich geregelt wird die Kernarbeitszeit üblicherweise hier:

  • Dienst­an­wei­sung
  • Betriebs­ver­ein­ba­rung – Betriebs­rat hat Mit­spra­che­recht
  • Arbeits­ver­trag – eher die Ausnahme
Kernarbeitszeit: Das müssen Arbeitnehmer dazu wissen

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Ver­let­zung der Kern­ar­beits­zeit: Wann sind später kommen und früher gehen ein Problem?

Viele Arbeitnehmer denken, es sei egal, wann sie kommen und gehen, solange sie nur ihre im Arbeitsvertrag festgelegte Stundenanzahl erfüllen – ein Trugschluss. Es gilt ganz klar:

  • In der Kern­ar­beits­zeit musst du anwesend sein.
  • Fehlst du, ist das ein Pflicht­ver­stoß.
  • Früher kommen, länger bleiben oder ange­sam­mel­te Über­stun­den sind kein auto­ma­ti­scher Ausgleich für Fehl­zei­ten.

Wenn deine Eingleitzeit also von 8:00 bis 10:00 geht, du aber erst um 10:15 im Büro bist, fehlst du unentschuldigt – auch wenn du abends 15  Minuten länger bleibst. Dafür kann dein Arbeitgeber dich abmahnen. Bei wiederholten oder schweren Pflichtverletzungen ist sogar die fristlose Kündigung möglich. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn dein Fehlen den Betriebsablauf stört – zum Beispiel, weil Kollegen auf dich warten müssen. In besonders schweren Fällen sind sogar Vertragsstrafen oder Schadenersatzforderungen deines Arbeitgebers denkbar.

Kern­ar­beits­zeit bei Teilzeit: Wie geht das?Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Bei Teilzeitarbeit ist zunächst die Frage, wie sich die Stunden aufteilen: weniger Stunden an allen Tagen oder weniger Tage bei voller Stundenzahl? Wenn du genauso acht Stunden im Büro bist wie die anderen Kollegen, gelten für dich auch dieselben Kernarbeitszeiten – aber eben nur an den Tagen, an denen du auch arbeitest.

Ein bisschen komplizierter wird es bei reduzierten Stunden – besonders, wenn die Kernarbeitszeit länger dauert als deine komplette Arbeitszeit. Das würde ein Arbeiten in Teilzeit quasi
unmöglich machen. Hier sind individuelle Absprachen nötig.

In Firmen mit Betriebsrat erarbeitet dieser häufig eine allgemeine Regelung für Teilzeitmitarbeiter in Gleitzeit. Manchmal werden die Kernzeiten den Teilzeitkollegen ausgerichtet und gelten dann einfach auch für die Mitarbeiter in Vollzeit. Gibt es keine offizielle Regelung für die Teilzeit-Gleitzeit, gehst du am besten auf deinen Arbeitgeber zu, um eine verbindliche Regelung zu finden und vertraglich festzuhalten. So wissen alle, woran sie sind und du bist auf der sicheren Seite.

FAZIT
  • Die Kern­ar­beits­zeit legt der Arbeit­ge­ber fest; der Betriebs­rat hat ein Mit­spra­che­recht.
  • In den Kern­zei­ten müssen alle Mit­ar­bei­ter anwesend sein.
  • Die Ein- und Aus­gleit­zei­ten beschrän­ken, um wie viel früher oder später du kommen oder gehen darfst.
  • Verstöße gegen die Kern­ar­beits­zeit können zur Kündigung führen.
  • Ver­let­zun­gen der Kern­ar­beits­zeit kannst du nicht durch Über­stun­den kom­pen­sie­ren.
  • Bei Teil­zeit­ar­beit müssen passende Rege­lun­gen gefunden werden.
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