Mann trägt Lap­top­ta­sche und hat dabei eine medi­zi­ni­sche Maske in der Hand © iStock.com/nito100

1. Juli 2021, 12:50 Uhr

Darf ich eigent­lich? Ende der Home­of­fice-Pflicht: Das müssen Arbeit­neh­mer wissen

Seit dem 1. Juli 2021 gibt es keine coronabedingte Homeoffice-Pflicht mehr. Mehrere Monate lang mussten Arbeitgeber in Deutschland zuvor ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten lassen, sofern dies möglich war. Damit hat es nun ein Ende. Was aber bedeutet das jetzt für Arbeitnehmer? Muss jeder sofort wieder ins Büro – oder vielleicht erst dann, wenn man geimpft ist? Der Streitlotse klärt auf.

Du fühlst dich im Recht, aber dein Arbeitgeber sieht es anders? Wir beraten dich gern. >>

Gesetz­li­che Regelung zur Home­of­fice-Pflicht läuft aus

Die Pflicht für Arbeitgeber, Mitarbeiter wo immer möglich im Homeoffice arbeiten zu lassen, war ab Januar 2021 in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung festgehalten. Grund waren die damals bundesweit stark ansteigenden Corona-Inzidenzzahlen (“Zweite Welle”). Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

Ende April 2021 wurde die Homeoffice-Pflicht ins Infektionsschutzgesetz (IfSG) übertragen. In diesem Zuge kam auch die Verpflichtung für Arbeitnehmer hinzu, das Homeoffice-Angebot anzunehmen. Die Regelung wurde bis zum 30. Juni 2021 befristet und ist nun ohne weitere Verlängerung ausgelaufen, nachdem die Inzidenzzahlen aktuell stark rückläufig sind.

Vor der Rückkehr ins Büro: Arbeit­ge­ber muss Infek­ti­ons­schutz gewähr­leis­ten

Viele fragen sich daher: Muss ich nun sofort wieder ins Büro? Die Antwort: Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Jeder Arbeitgeber muss zunächst sicherstellen, dass in seinen Räumen der Infektionsschutz gewährleistet ist. Das fordern die besonderen Bestimmungen zum Arbeitsschutz in Corona-Zeiten, die nach wie vor gültig sind. Das heißt zum Beispiel:

  • Es muss eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und ein Sicher­heits­kon­zept für den Infek­ti­ons­schutz geben.
  • Die not­wen­di­gen Abstände zu anderen Menschen (in der Regel min­des­tens 1,5 Meter) müssen bei der Arbeit ein­ge­hal­ten werden können oder es muss Schutz­ein­rich­tun­gen wie etwa Trenn­wän­de geben.
  • Der Arbeit­ge­ber muss pro Mit­ar­bei­ter und Woche zwei Schnell­tests zur Verfügung stellen. Medi­zi­ni­sche Masken muss er zusätz­lich zur Verfügung stellen, wenn andere Schutz­maß­nah­men nicht greifen.
  • Es muss in festen Abständen gründlich gelüftet
Bild eines Großraumbüros

© iStock.com/alvarez

Dies alles muss gewährleistet sein, bevor die Belegschaft wieder an den Arbeitsplatz beordert wird. Der Arbeitgeber kann nicht die Rückkehr verlangen und sich erst anschließend um ein Schutzkonzept kümmern, wenn alle wieder im Büro sitzen.

Arbeit­ge­ber darf grund­sätz­lich die Rückkehr ins Büro anordnen

Sind die Voraussetzungen zum Infektionsschutz erfüllt, dann kann der Arbeitgeber grundsätzlich fordern, dass ab sofort wieder in Präsenz gearbeitet wird. Damit übt er sein ihm zustehendes Direktionsrecht aus. Wer entsprechende Anweisungen des Arbeitgebers missachtet, muss mit einer Abmahnung oder gar einer Kündigung rechnen.

Allerdings können sich manchmal besondere arbeitsrechtliche Konstellationen ergeben – je nachdem, wie der Wechsel ins Homeoffice zuvor genau geregelt wurde. Es kommt zum Beispiel darauf an, ob der Arbeitgeber sein Angebot, im Homeoffice zu arbeiten, von vornherein mit einer zeitlichen Befristung versehen hat oder schriftlich erklärt hat, dass die Vereinbarung kein dauerhaftes Recht auf Homeoffice begründet.

Ist das nicht der Fall, können Mitarbeiter eventuell weiterhin ein Recht auf Homeoffice geltend machen, obwohl die gesetzliche Homeoffice-Pflicht ausgelaufen ist. Es kommt dabei aber noch auf weitere Vereinbarungen an, etwa darauf, was genau im Arbeitsvertrag steht. In einem solchen, nicht unkomplizierten Fall hilft dir daher am besten ein Fachanwalt für Arbeitsrecht weiter.

INFOBOX

Homeoffice-Pflicht endet: Müssen auch Eltern wieder ins Büro?

Grundsätzlich gibt es von den hier genannten Regelungen keine Ausnahmen für Eltern. Wenn aber die Schule oder die Kita pandemiebedingt geschlossen ist, haben Eltern auch nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht weiterhin die Möglichkeit,

  • sich für die Kin­der­be­treu­ung von der Arbeit frei­stel­len zu lassen und für ent­fal­le­nes Gehalt eine Ent­schä­di­gung nach dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz zu bean­tra­gen
  • oder Kin­der­kran­ken­ta­ge in Anspruch zu nehmen.

Mehr dazu liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.
Wichtig: Das gilt nur für eine pandemiebedingte Schließung oder eine unverschuldete Quarantäne – nicht aber, um die normalen Ferienzeiten zu überbrücken.

Müssen Geimpfte früher wieder in Präsenz arbeiten?

Viele Arbeitnehmer fragen sich, ob sie grundsätzlich als Geimpfte früher wieder ins Büro müssen als ihre ungeimpften Kollegen. Gesetzliche Regelungen dazu gibt es nicht. Das ist auch kaum möglich, denn außer in bestimmten Berufen – etwa im Gesundheitswesen bei Patientenkontakt – hat der Arbeitgeber gar kein Recht darauf, den Impfstatus seiner Mitarbeiter zu erfragen oder zu verlangen, dass sich jeder impfen lässt.

Entsprechend wäre eine solche Ungleichbehandlung von Geimpften und (noch) Ungeimpften für Arbeitgeber rechtlich ein großes Risiko, das wohl kaum jemand eingehen wird.

© iStock.com/AndreyPopov

Streit vermeiden: Indi­vi­du­el­le Lösungen sind gefragt

Die Homeoffice-Pflicht endet zwar, gleichzeitig sollen aber Kontakte während der Arbeit gemäß SARS-Cov-2-Arbeitsschutzverordnung weiterhin auf das Notwendigste reduziert werden.

Hier ist mehr denn je Augenmaß seitens des Arbeitgebers gefordert: Pocht er darauf, dass alle Mitarbeitenden wieder ins Büro kommen, dann muss er zwar schwerpunktmäßig darauf achten, dass die Infektionsschutzregeln eingehalten werden. Er sollte jedoch auch dafür sorgen, dass die Belegschaft sich subjektiv sicher fühlt.

Um die Zeit zwischen dem Ende der Homeoffice-Pflicht und dem Ende der Pandemie – oder zumindest bis zum vollständigen Impfschutz all derer, die sich impfen lassen möchten – zu überbrücken, sollten sich Arbeitgeber individuelle Regelungen einfallen lassen. Sonst droht schnell Streit, den aktuell niemand gebrauchen kann. Beispielsweise sollten Arbeitnehmer, die sich vor einer Infektion fürchten oder Kontakte mit Kollegen scheuen, welche offen die Corona-Pandemie leugnen, den Arbeitgeber darauf konkret ansprechen und nach einer gemeinsamen Lösung suchen.

Fazit
  • Seit dem Ende der Home­of­fice-Pflicht dürfen Arbeit­ge­ber grund­sätz­lich verlangen, dass die Mit­ar­bei­ter wieder vor Ort im Unter­neh­men arbeiten.
  • Vor­aus­set­zung dafür ist aber, dass es ein betrieb­li­ches Konzept für den Infek­ti­ons­schutz gibt und alle gesetz­li­chen Arbeits­schutz­re­geln ein­ge­hal­ten werden.
  • Hat der Arbeit­ge­ber vergessen, sein Home­of­fice-Angebot zu befristen, können zudem arbeits­recht­li­che Span­nun­gen drohen.
  • Geimpfte und unge­impf­te Mit­ar­bei­ter dürfen nicht ungleich behandelt werden, denn der Impf­sta­tus geht den Arbeit­ge­ber – außer zum Beispiel bei einer Tätigkeit im Gesund­heits­we­sen – nichts an.
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