Ärztin sitzt an ihrem Schreib­tisch und arbeitet am PC. © iStock.com/shironosov

1. Oktober 2021, 8:25 Uhr

So geht’s richtig Elek­tro­ni­sche Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung: So funk­tio­niert sie

Der “gelbe Schein” für die Krankmeldung wird bald Geschichte sein. Ursprünglich sollten Krankschreibungen im Jahr 2021 schon vollständig digital abgewickelt werden. Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. Immerhin: Seit Oktober 2021 erspart dir der erste Teil der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) den Brief an die Krankenkasse.Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

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Schritt­wei­se Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Krank­mel­dung

Wer zu krank ist, um zur Arbeit zu gehen, braucht – abhängig von der Regelung im Arbeitsvertrag – spätestens ab dem dritten Abwesenheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Auch wenn du dir am liebsten einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und dich in Ruhe auskurieren möchtest: Um einen Arztbesuch kommst du bei längerer Krankheit nicht herum.

Und danach müssen auch noch die jeweiligen Teile des gelben Scheins auf den Weg zum Arbeitgeber und zur Krankenkasse gebracht werden. Eigentlich unvorstellbar, dass das im Digitalzeitalter oft noch in Papierform und per Post passiert. Aber es hakt an vielen Stellen der erforderlichen Technik und Infrastruktur für die digitale Übermittlung der Krankmeldung.

Deshalb wird die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nun schrittweise eingeführt:

  • Seit 1.10.2021 müssen Ärzte Krank­schrei­bun­gen digital an die Kran­ken­kas­sen über­mit­teln. Für Arzt­pra­xen, denen die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen dafür fehlen, gilt eine Über­gangs­frist bis 31.12.2021. Bis dahin dürfen sie noch den alten “gelben Schein” verwenden.
  • Ab 1.7.2022 sollen die Kran­ken­kas­sen die eAU auto­ma­tisch an die Arbeit­ge­ber ihrer Ver­si­cher­ten über­mit­teln. Firmen können theo­re­tisch schon ab 1.1.2022 an diesem Verfahren teil­neh­men, spä­tes­tens zum Stichtag ist die Umstel­lung für Unter­neh­men Pflicht.
Gelbe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen liegen übereinander. Im Vordergrund zeigt ein Thermometer Fieber an.

© iStock.com/AnnettVauteck

Was ändert sich durch die eAU für Arbeit­neh­mer?

In der Praxis erst einmal gar nicht so viel: Wenn du einen gelben Schein bekommst, brauchst du die Ausfertigung für die Krankenkassen seit Oktober nicht mehr selbst zu versenden. Vorausgesetzt, die Arztpraxis ist schon an das System angeschlossen. Ansonsten musst du das wie zuvor selbst erledigen

Wenn dein Arzt das Thema nicht von sich aus anspricht, ist es sinnvoll, nachzufragen, ob er die eAU schon eingerichtet hat. So lässt sich unnötiger Stress mit der Krankenkasse vermeiden. Rein rechtlich gesehen bist du allerdings auf der sicheren Seite: Seit 1. Oktober 2021 liegt die Informationspflicht nicht mehr bei dir als Patient, sondern beim Arzt.

INFO

Krankmeldung per App

Wenn du wegen fehlender technischer Voraussetzungen doch noch einen Durchschlag des gelben Scheins an die Krankenkasse senden musst, geht das bei vielen Anbietern zumindest ohne Weg zum Briefkasten. Die meisten Krankenkassen bieten in ihrer Versicherten-App oder auf ihrer Website die Möglichkeit, ein Foto der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hochzuladen.

Krankmeldung an den Arbeitgeber nach wie vor Pflicht

Bezüglich der Krankmeldung bei der Arbeit ändert sich für Angestellte bis Juli 2022 nichts. Abgesehen von der Farbe des Krankenscheins, den du abgibst. Der gelbe Vordruck wird mit der elektronischen Krankmeldung allmählich verschwinden. Bis zur vollständigen Umstellung erhältst du vom Arzt einen einfachen Ausdruck zur Vorlage beim Arbeitgeber. Dafür, dass dieser innerhalb vertraglich vereinbarten Frist beim Arbeitgeber vorliegt, sind Angestellte bis zum 30. Juni 2022 selbst verantwortlich. Erst ab voraussichtlich 1. Juli 2022 sind Arbeitnehmer komplett von der Zustellpflicht der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entbunden.

Gut zu wissen: Ärzte sind auch bei elektronischer Übermittlung weiterhin verpflichtet, dir auf Wunsch eine Bescheinigung auszustellen, die deine Arbeitsunfähigkeit belegt.

FAZIT
  • Seit dem 1.10.2021 über­mit­teln Ärzte Krank­schrei­bun­gen direkt an die Kran­ken­kas­sen. Für Praxen, die technisch dafür noch nicht aus­ge­stat­tet sind, gilt eine Über­gangs­frist bis 31.12.2021.
  • Kann eine Arzt­pra­xis noch keine elek­tro­ni­sche Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung aus­stel­len, müssen Ver­si­cher­te den gelben Schein weiter selbst an ihre Kran­ken­kas­se schicken.
  • Die elek­tro­ni­sche Krank­mel­dung beim Arbeit­ge­ber kommt erst im Sommer 2022. Bis dahin sind Arbeit­neh­mer in der Pflicht, frist­ge­recht eine Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung ein­zu­rei­chen.
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