Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: So funktioniert sie © iStock.com/shironosov

29. Juni 2022, 10:25 Uhr

So geht’s richtig Elek­tro­ni­sche Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung: So funk­tio­niert sie

Der „gelbe Schein” für die Krankmeldung sollte eigentlich ab Juli 2022 Geschichte sein und Krankmeldungen vollständig digital abgewickelt werden. Doch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) hat sich mehrfach verschoben. Immerhin: Der Brief an die Krankenkasse entfällt schon jetzt für einige Patienten, je nach technischer Ausstattung der Arztpraxis. Wie es mit dem gelben Zettel für den Arbeitgeber weitergeht und wie du dich künftig krankmelden musst, liest du hier.

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Ab wann kommt die elek­tro­ni­sche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Wer zu krank ist, um zur Arbeit zu gehen, braucht in der Regel spätestens ab dem dritten Abwesenheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Auch wenn du dir am liebsten einfach nur die Decke über den Kopf ziehen möchtest: Um einen Arztbesuch kommst du bei längerer Krankheit nicht herum.

Und danach müssen auch noch die jeweiligen Teile des gelben Scheins auf den Weg zum Arbeitgeber und zur Krankenkasse gebracht werden. Eigentlich unvorstellbar, dass das im Digitalzeitalter oft noch in Papierform und per Post passiert. Aber es hakt an vielen Stellen der erforderlichen Technik und Infrastruktur für die digitale Übermittlung der Krankmeldung. Auch die Corona-Pandemie wird als Grund dafür genannt, dass sich der Zeitplan bei der Einführung der eAU verschoben hat.

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll schrittweise eingeführt werden. Der aktuelle Stand:

  • Bereits jetzt sollen Arzt­pra­xen die Krank­schrei­bun­gen digital an die Kran­ken­kas­sen über­mit­teln. Praxen, denen noch die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen dafür fehlen, dürfen vor­über­ge­hend weiter den alten „gelben Schein” verwenden.
  • Ursprüng­lich sollten die Kran­ken­kas­sen außerdem ab dem 1. Juli 2022 ver­pflich­tend die eAU auto­ma­tisch an die Arbeit­ge­ber ihrer Ver­si­cher­ten über­mit­teln. Den Stichtag hat der Gesetz­ge­ber aber mitt­ler­wei­le auf den 1. Januar 2023 ver­scho­ben. Arbeit­ge­ber können im Rahmen eines Pilot­ver­fah­rens schon jetzt an diesem Verfahren teil­neh­men. Spä­tes­tens zum Stichtag ist die Umstel­lung für sie Pflicht.
Gelbe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen liegen übereinander. Im Vordergrund zeigt ein Thermometer Fieber an.
© iStock.com/AnnettVauteck

eAU: Was ändert sich für Arbeitnehmer?

In der Praxis erst einmal gar nicht so viel: Wenn du einen gelben Schein bekommst, brauchst du die Ausfertigung für die Krankenkassen jetzt gegebenenfalls nicht mehr selbst zu versenden. Vorausgesetzt, die Arztpraxis ist schon an das System angeschlossen. Ansonsten musst du das wie zuvor selbst erledigen. Wenn dein Arzt das Thema nicht von sich aus anspricht, ist es sinnvoll, nachzufragen, ob er die eAU schon eingerichtet hat. So lässt sich unnötiger Stress mit der Krankenkasse vermeiden.

In der momentanen Übergangsphase erkundigst du dich am besten auch bei deinem Arbeitgeber, wie dort der aktuelle Stand in Sachen gelber Schein oder eAU ist. Sollte der Arbeitgeber die eAU schon vor dem Stichtag 1.1.2023 einführen, wird er die Belegschaft sicher auch offiziell darüber informieren.

INFO

Krankmeldung per App

Wenn du wegen fehlender technischer Voraussetzungen doch noch einen Durchschlag des gelben Scheins an die Krankenkasse senden musst, geht das bei vielen Anbietern zumindest ohne Weg zum Briefkasten. Die meisten Krankenkassen bieten in ihrer Versicherten-App oder auf ihrer Website die Möglichkeit, ein Foto der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hochzuladen.

Krank­mel­dung an den Arbeit­ge­ber nach wie vor Pflicht

Bezüglich der Krankmeldung bei der Arbeit ändert sich für viele Angestellte bis Januar 2023 also weiterhin wenig. Dafür, dass ihre AU innerhalb der vertraglich vereinbarten Frist beim Arbeitgeber vorliegt, sind sie bis dahin selbst verantwortlich. Erst ab dem Stichtag (voraussichtlich 1.1.2023) sind Arbeitnehmer komplett von der Zustellpflicht der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entbunden.

Was auch mit eAU bleiben wird: Bei jeder Arbeitsunfähigkeit musst du deinem Arbeitgeber selbst kurz Bescheid geben, dass und für wie lange du nicht zur Arbeit kommst. Denn nur dann weiß er rechtzeitig, was Sache ist, und kann anschließend die eAU von der Krankenkasse abrufen. Ob du dafür in der Firma anrufst oder eine E-Mail schickst, ist prinzipiell egal – solange du davon ausgehen kannst, dass deine Nachricht zeitnah zur Kenntnis genommen wird.

Gut zu wissen: Ärzte sind auch bei elektronischer Übermittlung weiterhin verpflichtet, dir auf Wunsch eine Bescheinigung auszustellen, die deine Arbeitsunfähigkeit belegt.

FAZIT
  • Theo­re­tisch sollen Ärzte Krank­schrei­bun­gen mitt­ler­wei­le direkt an die Kran­ken­kas­sen über­mit­teln. Für Praxen, die technisch dafür noch nicht aus­ge­stat­tet sind, gibt es aktuell noch Übergangslösungen.
  • Kann eine Arzt­pra­xis noch keine elek­tro­ni­sche Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung aus­stel­len, müssen Ver­si­cher­te den gelben Schein weiter selbst an ihre Kran­ken­kas­se schicken.
  • Die elek­tro­ni­sche Krank­mel­dung beim Arbeit­ge­ber kommt ver­pflich­tend erst im Januar 2023. Bis dahin sind Arbeit­neh­mer in der Pflicht, frist­ge­recht eine Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung ein­zu­rei­chen – es sei denn, der Arbeit­ge­ber stellt bereits früher auf das System eAU um.
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