Männer sitzen mit Atem­schutz-Maske im Büro © iStock/Dobrila Vignjevic

26. Februar 2021, 12:00 Uhr

So geht’s richtig Corona-Verdacht am Arbeits­platz: Richtig vorgehen in 7 Schritten

Das Coronavirus überträgt sich überall, wo Menschen eng zusammenkommen. Strenge Präventivmaßnahmen sollen Infektionen verhindern. Trotzdem kann es zu Ansteckungen kommen. Auch am Arbeitsplatz. Und dann? Was ist bei einem Corona-Verdacht oder -fall im Betrieb zu tun? Hier gibt es die Antwort.

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Corona-Symptome in der Beleg­schaft erkennen

Unternehmen müssen sich an strikte Corona-Schutzmaßnahmen halten. Konsequent umgesetzt sind sie ein guter Schutz gegen die Krankheit. Trotzdem kann es nicht schaden, wenn Vorgesetzte auf mögliche Verdachtsmomente achten. Alarmierend sind folgende Anzeichen:Alle Informationen über die Arbeitsrechtsschutzversicherung von ADVOCARD

  • Wenn Mit­ar­bei­ter typische Grip­pe­sym­pto­me zeigen (zum Beispiel Husten, Fieber, Müdigkeit, Mus­kel­schmer­zen), nachdem sie Kontakt zu einem positiv auf Corona getes­te­ten Menschen hatten. Auch Durchfall, Erbrechen und Störungen des Geruchs- und des Geschmacks­sinns können in diesem Fall auf eine Infektion mit dem Coro­na­vi­rus hinweisen.
  • Wenn es bei Pfle­ge­kräf­ten Hinweise auf eine virale Lun­gen­ent­zün­dung gibt, die im Zusam­men­hang mit einer gleich­zei­ti­gen Häufung von solchen Fällen in der Pfle­ge­ein­rich­tung oder in dem Kran­ken­haus stehen.
  • Wenn ein Mit­ar­bei­ter eine Lun­gen­ent­zün­dung bekommt, die keiner anderen Ursache als dem Coro­na­vi­rus zuge­schrie­ben werden kann.
  • Wenn sich Atem­wegs­er­kran­kun­gen bei einer Person zeigen, die in einer Pfle­ge­ein­rich­tung, einem Kran­ken­haus oder einer Arzt­pra­xis arbeitet oder zu einer Risi­ko­grup­pe (60+, Vor­er­kran­kun­gen) gehört.

Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist zwar in Pflegeberufen besonders groß, aber auch in anderen Branchen besteht die Gefahr einer Infektion. Deshalb müssen sich alle Unternehmen an die Corona-Verordnungen ihrer jeweiligen Bundesländer halten.

Besteht der Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung, dann müssen Arbeitgeber Schritt für Schritt mehrere Maßnahmen ergreifen.

Schritt 1: Ver­dachts­fäl­le nach Hause schicken

Zunächst sollten Vorgesetzte mit dem Beschäftigten über ihre Befürchtung sprechen (Achtung: Abstand wahren und Schutzmasken tragen). Erhärtet sich dabei der Verdacht, müssen sie ihn nach Hause schicken, damit er sich ärztlich auf Covid-19 testen bzw. dagegen behandeln lassen kann.

Schritt 2: Betrof­fe­nen Arbeits­platz reinigen

Das Reinigungspersonal muss Arbeitsplatz und Arbeitsmaterialien (Sitzplatz, Schreibtisch, Telefon, Computer, Werkzeuge etc.) des Betreffenden gründlich säubern bzw. desinfizieren. Räume, in denen sich der Beschäftigte aufgehalten hat, sind gut zu lüften. Das bedeutet, dass die Fenster mindestens 30 Minuten vollständig geöffnet und nicht nur gekippt sein müssen.

Schritt 3: Kon­takt­lis­te erstellen

Alle Personen, die mit dem Verdachtsfall im Rahmen seiner Arbeit direkten Kontakt hatten, müssen ermittelt werden. Das ist wichtig, um die Infektionskette nachverfolgen zu können.

Schritt 4: Ärztliche Diagnose abwarten

Erhärtet die medizinische Diagnose den Verdacht auf Covid-19, bestimmt der Arzt, wie es mit dem Mitarbeiter weitergeht. Solange die ärztlichen Testergebnisse noch nicht vorliegen, bleibt der Beschäftigte in häuslicher Quarantäne.

  • Kann der Beschäf­tig­te deshalb nicht arbeiten, hat er Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung bezie­hungs­wei­se Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung nach § 56 Infek­ti­ons­schutz­ge­setz (IfSG).
  • Kann der Beschäf­tig­te im Home­of­fice arbeiten, so muss er dies tun, solange er sich nicht krank fühlt.

Schritt 5: Mit dem Gesund­heits­amt zusam­men­ar­bei­ten

Bestätigt sich der Corona-Verdacht, reicht der Arzt die Test- und Untersuchungsergebnisse an das zuständige Gesundheitsamt weiter. Das wendet sich an den Arbeitgeber, berät mit ihm das weitere Vorgehen und fordert gegebenenfalls die Liste mit den betrieblichen Kontaktpersonen ein.

Schritt 6: Rege­lun­gen für Kon­takt­per­so­nen festlegen

Ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne für alle Kontaktpersonen des Erkrankten an, dann sollten diese während dieser Zeit im Homeoffice arbeiten, sofern sie nicht selbst krank werden.

Ist Homeoffice nicht möglich, haben die vom Gesundheitsamt in häusliche Quarantäne geschickten Mitarbeiter trotzdem Anspruch auf Entgeltfortzahlung beziehungsweise – je nach Dauer der Quarantäne – auf eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz. Der Arbeitgeber kann sich die Beträge von der Behörde erstatten lassen.

Schritt 7: Mit dem Erkrank­ten in Kontakt bleiben

An Covid-19 erkrankte Mitarbeiter werden in der Regel krankgeschrieben, hier gelten also die üblichen Regelungen zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Verläuft die Infektion vergleichsweise glimpflich, dann bleibt ein Betroffener für die vom Gesundheitsamt bestimmte Dauer in häuslicher Quarantäne. Bei einem schweren Verlauf wird er im Krankenhaus behandelt.

Sofern es die Umstände erlauben, sollte der Arbeitgeber mit dem Erkrankten in Kontakt bleiben, um weiterhin wichtige Themen mit ihm besprechen zu können. Nach längerer Erkrankung kann auch eine Wiedereingliederung Thema sein. Wann die Erkrankung mit Covid-19 überstanden ist und der Mitarbeiter in das Unternehmen zurückkehren kann, hängt von der Einschätzung der Ärzte bzw. des Gesundheitsamtes ab.

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