Eine junge Frau sitzt zu Hause an ihrem Schreibtisch © iStock.com/borchee

11. Mai 2021, 14:56 Uhr

Darf ich eigent­lich? Corona: Das regelt das neue Gesetz zur Home­of­fice-Pflicht

Die Bundesregierung hat ernst gemacht und Unternehmen in die Pflicht genommen, ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice arbeiten zu lassen – sofern dies angesichts ihrer Tätigkeiten möglich ist. So sollen Kontakte und damit das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus reduziert werden. Was genau die offiziell angeordnete Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutet, liest du hier.

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Home­of­fice als Corona-Schutz­maß­nah­me

Bis vorerst mindestens 30. Juni 2021 müssen Arbeitgeber Mitarbeitern mit Bürojobs und “vergleichbaren Tätigkeiten” grundsätzlich erlauben, von zu Hause aus zu arbeiten. Für Beschäftigte beispielsweise in Produktion, Handel und Logistik dürfte Homeoffice ohnehin kaum möglich sein. Rechtliche Grundlage dafür ist die am 27. Januar 2021 in Kraft getretene SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung. Diese befristete Maßnahme zum Infektionsschutz hat nichts mit dem generellen Recht auf Homeoffice zu tun, das bereits seit geraumer Zeit diskutiert wird.

Bis Ablauf der Frist müssen Arbeitgeber “zwingend betriebliche Gründe” anführen, wenn sie Büroangestellte nicht von zu Hause aus arbeiten lassen. Als Arbeitnehmer musst du also nicht belegen, dass du deinen Job genauso gut vom heimischen Schreibtisch aus erledigen kannst wie im Büro. Stattdessen muss der Arbeitgeber nachweisen, dass dies nicht möglich ist, wenn er dir Homeoffice verweigert.

Was sind zwingende betrieb­li­che Gründe, die Home­of­fice aus­schlie­ßen?

Welche Gründe genau es Arbeitgebern ermöglichen, auf der Anwesenheit ihrer Mitarbeiter im Büro zu bestehen, hat der Gesetzgeber allerdings nicht genauer definiert. Als Beispiel für zulässige Gründe nennt das Bundesarbeitsministerium (BMAS) ...

  • wenn eine Büro­tä­tig­keit auch das Bear­bei­ten ein­ge­hen­der Post oder Waren­lie­fe­run­gen oder Mate­ri­al­aus­ga­be umfasst,
  • Schal­ter­diens­te bei weiterhin not­wen­di­gen Kunden- oder Mit­ar­bei­ter­kon­tak­ten,
  • Haus­meis­ter- und Not­diens­te zur Auf­recht­erhal­tung des Betriebs,
  • Reparatur- und War­tungs­auf­ga­ben, bei­spiels­wei­se im IT-Service,
  • Sicher­stel­lung der Ersten Hilfe im Betrieb.

Nicht vorhandene Hardware oder mangelnde digitale Kompetenzen der Mitarbeiter beim Einsatz neuer Technologien wie Video-Konferenzen oder Cloud-Lösungen sieht das BMAS hingegen höchstens als vorübergehende Hinderungsgründe, die Arbeitgeber schnellstmöglich beseitigen sollten.

Gegen Homeoffice sprechen können allerdings Sicherheitsbedenken. Zum Beispiel wenn

  • betrieb­li­che Software nicht auf privaten Rechnern instal­liert werden darf oder
  • Mit­ar­bei­ter mit ver­trau­li­chen Unter­la­gen arbeiten, die im Home­of­fice von betriebs­frem­den Personen ein­ge­se­hen werden können.

Aufwendigere Absprachen oder fehlende Kontrollmöglichkeiten des Vorgesetzten reichen als Argument gegen Homeoffice nicht aus.

Corona: Das regelt das neue Gesetz zur Homeoffice-Pflicht

Was, wenn der Arbeit­ge­ber Home­of­fice ver­wei­gert?

Der Chef besteht darauf, dass du ins Büro kommt, obwohl das deiner Meinung nach nicht zwingend nötig ist? Dann suche im ersten Schritt das Gespräch mit deinem Vorgesetzten und frage nach den Gründen für die Verweigerung. Sofern es einen Betriebsrat gibt, beziehe ihn bei dieser Angelegenheit ein, wenn du alleine nicht weiterkommst.

Bringt das alles nichts, ist der äußerste Schritt eine Meldung an die zuständige Arbeitsschutzbehörde oder die gesetzliche Unfallversicherung. Die Ämter prüfen dann den Sachverhalt und können Arbeitgeber gemäß § 22 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zwingen, Homeoffice anzubieten. Zudem können die Behörden Bußgelder verhängen und im äußersten Fall sogar Betriebe schließen.

Bevor sich Arbeitnehmer an die Behörden wenden, sollten sie sich aber immer erst um eine interne Klärung bemühen. Nicht nur, weil eine vorschnelle Meldung an die Behörden das Arbeitsklima nachhaltig vergiften kann, sondern auch, weil es eine nebenvertragliche Pflicht für Arbeitnehmer ist, sich zunächst um interne Klärung zu bemühen.

Sind Arbeit­neh­mer ver­pflich­tet, von zu Hause aus arbeiten?

Die Corona-Arbeitsschutzverordnung verpflichtete zunächst nur die Unternehmen dazu, Homeoffice anzubieten. Ihre Mitarbeiter waren lediglich aufgefordert, das Angebot anzunehmen.

Seit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes Ende April 2021 (“Bundes-Notbremse”) gilt aber: Arbeitnehmer müssen das Homeoffice-Angebot annehmen, wenn kein wichtiger Grund dagegen spricht. Mögliche Gründe können zum Beispiel sein, dass zu Hause aufgrund räumlicher Enge oder die Anwesenheit anderer Personen keine Möglichkeit besteht, konzentriert zu arbeiten.

Fazit
  • Unter­neh­men müssen Home­of­fice anbieten, sofern es die Tätigkeit zulässt. Die Regelung gilt befristet bis vorerst 30. Juni 2021.
  • Bei zwin­gen­den betrieb­li­chen Gründen dürfen Arbeit­ge­ber Home­of­fice ver­wei­gern, bei­spiels­wei­se bei Sicher­heits­be­den­ken.
  • Arbeits­schutz­be­hör­den können die Ein­hal­tung der Ver­ord­nung in den Betrieben prüfen.
  • Arbeit­neh­mer müssen das Home­of­fice-Angebot annehmen, wenn kein wichtiger Grund dagegen spricht.
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