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27. April 2020, 14:33 Uhr

So geht’s richtig Arbeits­si­cher­heit: Corona-Schutz­maß­nah­men am Arbeits­platz

Die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus ist sehr hoch – besonders im beruflichen Umfeld, wo oft viele Menschen auf engem Raum miteinander Kontakt haben. Vorgesetzte müssen deshalb Corona-Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ergreifen, um ihre Beschäftigten vor einer Infektion zu bewahren.

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Neue generelle Pflichten für Arbeit­ge­ber

Unternehmen haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht. Sie ergibt sich aus §3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Dein Chef hat demnach „die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen.“ Er muss also dich und deine Kollegen vor gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz schützen. Dafür hat er je nach Lage eine große Bandbreite an Möglichkeiten, wie etwa die Aufklärung über Gefahren, die Anordnung von Home-Office oder sogar Betriebsschließungen. Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Im Zuge der Corona-Pandemie hat das Bundesarbeitsministerium zusätzlich verschärfte und einheitliche Arbeitsschutzstandardregeln festgelegt. Für deinen Arbeitgeber bedeutet das:

  • Er hat sämtliche Mit­ar­bei­ter über das Corona-Krank­heits­bild zu unter­rich­ten. Das betrifft bei­spiels­wei­se die Infek­ti­ons­we­ge und Symptome.
  • Er muss stets über die aktuelle Ent­wick­lung hin­sicht­lich der Corona-Pandemie und ihre Aus­wir­kun­gen auf seinen Betrieb infor­miert sein.
  • Ergeben sich daraus Kon­se­quen­zen für deine Arbeit, dann muss er dir das mitteilen.
  • Vor­sorg­lich muss er sämtliche Dienst­rei­sen und ähnliche Termine seiner Beleg­schaft ver­schie­ben oder bis auf Weiteres absagen.
  • Er muss seine Mit­ar­bei­ter anweisen, ihm mit­zu­tei­len, wenn sie in den ver­gan­ge­nen zwei Wochen Kontakt mit Corona-Erkrank­ten bzw. -Ver­dachts­fäl­len hatten oder sich in Regionen mit erhöhtem Anste­ckungs­ri­si­ko auf­ge­hal­ten haben.

Hierbei handelt es sich um generelle Pflichten, denen Arbeitgeber wegen des Coronavirus aktuell nachkommen müssen. Darüber hinaus gelten für sie weitere, konkrete Anweisungen hinsichtlich des Arbeitsschutzes. Dazu im Folgenden mehr.

Aus­rei­chen­der Sicher­heits­ab­stand

Der Corona-Erreger verbreitet sich nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand durch die sogenannte Tröpfcheninfektion. Das bedeutet: Je enger Menschen zusammen sind, desto leichter können sie sich untereinander anstecken. Deshalb ist derzeit am Arbeitsplatz ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Beschäftigten vorgeschrieben. Dein Chef hat dafür zu sorgen, dass diese Distanz in seinem Betrieb nicht unterschritten wird. Sinnvoll ist es auch, wenn er dich für zusätzlichen Infektionsschutz mit geeigneten Masken versorgt.

Das betrifft nicht nur die Arbeitsplätze selbst, sondern beispielsweise auch:

  • Kantinen
  • Pau­sen­räu­me
  • Rau­cher­plät­ze
  • Umklei­de­räu­me

Dort ist ebenfalls der Sicherheitsabstand einzuhalten. Wenn möglich, sorgen Trennwände zwischen den Beschäftigten für noch mehr Arbeitsschutz.

In Kantinen lässt sich der Sicherheitsabstand durch eine Verringerung der Sitzplätze erreichen. Dazu sind Stühle beziehungsweise Tische zu sperren oder zu entfernen. Unter Umständen ist es sinnvoll, für bestimmte Abteilungen individuelle Zeitfenster für Mittagspausen zu schaffen.

Ist all das bei voller Stärke der Belegschaft nicht möglich, darf der Arbeitgeber nur einen Teil gleichzeitig arbeiten lassen. Das lässt sich mit versetzten Arbeitszeiten erreichen oder damit, dass einige (oder alle) Kräfte ins Home-Office geschickt werden.

Schärfere Hygie­ne­vor­schrif­ten

Um eine mögliche Ansteckungsgefahr durch sogenannte Schmierinfektionen zu verringern, sollten sich alle Mitarbeiter mehrmals täglich die Hände waschen und gegebenenfalls desinfizieren. Dafür hat dein Chef die Voraussetzungen zu schaffen. Andernfalls könnten sich die Beschäftigten infizieren, wenn sie mit dem Virus kontaminierte Oberflächen berühren und sich anschließend ins Gesicht fassen. Die Vorschriften betreffen dabei in erster Linie die Ausstattung der Waschräume. Dort müssen vorhanden sein:

  • flie­ßen­des Wasser
  • Seife, möglichst flüssig
  • Des­in­fek­ti­ons­mit­tel
  • Ein­mal­hand­tü­cher
  • Müll­be­häl­ter mit Deckel

Arbeitgeber sind außerdem verpflichtet, ihren Beschäftigten ausreichend Zeit für die Händehygiene einzuräumen.

Businessman in blue shirt and tie wash his hands deeply. Hand washing is very important to avoid the risk of contagion from coronaviruse and bacteria. (Businessman in blue shirt and tie wash his hands deeply. Hand washing is very important to avoid th

Beson­de­rer Schutz für Risi­ko­grup­pen

Besonders schutzwürdig sind ältere (60 plus) und vorerkrankte Menschen. Um sie nicht zu gefährden, müssen Unternehmen ihnen gegebenenfalls einen anderen Arbeitsplatz zuweisen. Sofern möglich, bietet sich in solchen Fällen Home-Office an.

Darauf sollte dein Chef noch achten

Neben den erforderlichen Maßnahmen zum Arbeitsschutz müssen alle Arbeitgeber – von großen Unternehmen bis hin zu Selbstständigen mit nur wenigen Mitarbeitern – auf weitere wichtige Aspekte achten:

  • Erfor­der­li­che Vor­keh­run­gen gegen das Coro­na­vi­rus sind so schnell wie möglich
  • Gibt es einen Betriebs­rat, so hat er bei der Auswahl der Maßnahmen ein Mit­be­stim­mungs­recht.
  • Gibt es keinen Betriebs­rat, können die Mit­ar­bei­ter laut Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) beim Sicher­heits- und Gesund­heits­schutz ein Anhö­rungs­recht geltend machen. Darüber hinaus räumt ihnen das Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) ein Beschwer­de­recht Aufgrund dessen können sich Beschäf­tig­te an die zustän­di­ge Behörde wenden (z. B. das Amt für Arbeits­schutz), falls Arbeit­ge­ber sich nicht an die Regeln halten.

Die Corona-Pandemie stellt Unternehmen generell vor große Herausforderungen. Diese betreffen nicht nur den Arbeitsschutz, sondern auch andere Themen wie Kurzarbeit oder finanzielle Hilfsprogramme. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat deshalb Informationen sowie zahlreiche Online-Adressen von hilfreichen Anlaufstellen auf einer speziellen Internetseite gebündelt.

 

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