Sowohl Mieter als auch Vermieter dürfen eine Erhöhung der Betriebs­kos­ten­vor­aus­zah­lung verlangen Bits and Splits, Fotolia

18. Juli 2017, 10:00 Uhr

Miet­erhö­hung Betriebs­kos­ten­vor­aus­zah­lung: Darf der Vermieter sie erhöhen?

Ist die Betriebskostenvorauszahlung recht niedrig angesetzt, kommt der Schock mitunter mit der Nebenkostenabrechnung am Jahresende. In einem solchen Falle dürfen sowohl Mieter als auch Vermieter eine Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung verlangen – allerdings nicht in beliebiger Höhe, sondern im Rahmen klarer gesetzlicher Regelungen.

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Wann darf die Betriebs­kos­ten­vor­aus­zah­lung erhöht werden?

Während der laufenden Abrechnungsperiode können Mieter und Vermieter einvernehmlich eine Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung in beliebiger Höhe vereinbaren. Nach der jährlichen Betriebskostenabrechnung ist auch eine einseitige Erhöhung möglich: Sowohl Sie als auch Ihr Vermieter dürfen schriftlich eine höhere regelmäßige Betriebskostenvorauszahlung verlangen, um überhöhte Nachzahlungen bei der nächsten Betriebskostenabrechnung zu vermeiden. Grundlage dafür ist § 560 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Bedingung für eine einseitige rechtswirksame Erhöhung ist immer, dass Ihnen eine formell und inhaltlich korrekte Betriebskostenabrechnung vorliegt.

Wie stark darf die Neben­kos­ten­vor­aus­zah­lung erhöht werden?

Die Nebenkostenvorauszahlung darf um den Betrag der Nachzahlung aus der letzten Betriebskostenabrechnung erhöht werden. Da die Nebenkosten in der Regel monatlich vorausgezahlt werden, darf sich der Monatsbetrag für die Nebenkostenvorauszahlung dann entsprechend um ein Zwölftel erhöhen. Ein Beispiel: Sie zahlen aktuell 100 Euro Nebenkosten pro Monat und mussten bei der letzten Jahresabrechnung 600 Euro nachzahlen. Im nächsten Abrechnungsjahr darf Ihr Vermieter die Nebenkostenvorauszahlung daher auf 150 Euro anheben.

Wenn nichts anderes vereinbart wurde, ist die höhere Betriebskostenvorauszahlung mit der nächsten Monatsmiete zu bezahlen.

Son­der­fäl­le: Miet­ver­trä­ge mit Neben­kos­ten­pau­scha­len und Inklu­siv­mie­ten

Wenn der Vermieter Maßnahmen zur teilweise verbrauchsabhängigen Messung der Nebenkosten ergriffen hat – zum Beispiel getrennte Mülltonnen – darf er eine Nebenkostenvorauszahlung in Höhe der tatsächlichen Kosten verlangen, muss aber dann die Miete um denselben Betrag senken und in Zukunft eine aufgeschlüsselte Betriebskostenabrechnung vorlegen. Eine solche Veränderung ist immer erst zum nächsten Abrechnungszyklus möglich.

Ansprüche bei hohen Nach­zah­lun­gen

Hat der Vermieter die Nebenkosten bewusst und nachweislich zu gering angesetzt, um die Kosten auch nur annähernd zu decken – beispielsweise um eine wenig attraktive Wohnung vermietbar zu machen – haben Sie mitunter einen Anspruch auf Schadensersatz, den Sie gegen die Nachzahlungen aufrechnen können. Bei unzumutbar hohen Nachzahlungen steht Ihnen sogar ein fristloses Kündigungsrecht zu.

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