Anwalt-Deutsch Kzenon, Fotolia

2. Dezember 2015, 13:59 Uhr

Anwalt-Deutsch Was pflegt eigent­lich ein Rechts­pfle­ger?

Der Fall scheint klar: Ein Tierpfleger pflegt Tiere, ein Altenpfleger kümmert sich um Alte. Was macht also ein Rechtspfleger? Wenn Sie jetzt Eindeutiges erwarten, werden Sie leider enttäuscht: Denn ein Rechtspfleger läuft nicht etwa mit weißem Kittel oder Gummistiefeln durch die Gegend, striegelt Gesetzbücher oder badet Anwälte und Richter.

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Einfach ausgedrückt ist ein Rechtspfleger die Light-Version eines Richters. Anstatt eines langjährigen Jura-Studiums lernt der angehende Rechtspfleger schon während einer praxisnahen Ausbildung alles, was er für seinen späteren Beruf braucht. „Ähnlich wie ein Richter entscheidet ein Rechtspfleger in Streitangelegenheiten und trifft dabei eigenverantwortlich juristische Entscheidungen. Dabei ist er sachlich unabhängig und nur dem Gesetz und seinem Gewissen verpflichtet“, erklärt Anwalt Ulrich Kelch. Einzige Ausnahme: „Im Strafvollzug ist ein Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft unterstellt und muss ihr Rede und Antwort stehen“, sagt Kelch.

Wann hilft ein Rechts­pfle­ger?

Ob Computerarbeit, Beratung oder Streitschlichtung – die Arbeit eines Rechtspflegers ist vielseitig. Beim Streit ums Erbe von Tante Erna, einem Mahnverfahren, der Zwangsvollstreckung oder dem Insolvenzverfahren ist es heute sehr viel wahrscheinlicher, an einen Rechtspfleger zu geraten als an einen Richter. Rechtspfleger übernehmen administrative Aufgaben bei Gericht und führen beispielsweise Vereinsregister und Grundbücher. Sie sind aber keine reinen Sesselpupser: Sie arbeiten mit Verwaltern und Vormündern zusammen und wenden sich bei Unstimmigkeiten an einen Familienrichter, der im Ernstfall Weiteres veranlasst. Wenn ein Rechtspfleger zum Beispiel Zwangsversteigerungen von Immobilien und Grundstücken organisiert, dann hat er in der Tat auch mal Gummistiefel an, wenn es draußen matschig ist. Rechtspfleger sind Angestellte im gehobenen Justizdienst. Rechtspfleger schieben nicht etwa Papierstapel und Anträge von der linken Schreibtischecke in die rechte oder stauben gemütlich jedes Gesetzbuch einzeln ab. Sie halten Anwälten und Richtern den Rücken frei: Wer sich schwer tut, Entscheidungen zu treffen oder einen verqueren Blick auf Gerechtigkeit hat, der ist falsch in der Rechtspflege. Denn hier kommt es auf Verantwortungsbewusstsein und Urteilskraft an, alles im Sinne des deutschen Rechts. Nur das gelegentliche Bad von Anwälten und Richtern, das übernimmt ein Rechtspfleger nicht.

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