Bei einem Reitbeteiligungsvertrag gelten sowohl die mündliche als auch die schriftliche Variante animaflora, Fotolia

Das Risiko reitet mit Reitbe­tei­li­gungs­vertrag: Sicher im Sattel

Der Wunsch nach einem eigenen Pferd lässt sich nicht immer erfüllen. Ein Reitbe­tei­li­gungs­vertrag ist wesentlich günstiger als Kauf und Unterhalt eines Tiers. Doch wer haftet für Schäden, die durch das Pferd entstehen? Wer muss zum Beispiel bei Verlet­zungen Schmer­zensgeld zahlen? Das hängt von der Art der Reitbe­tei­ligung ab.

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Reitbe­tei­li­gungs­vertrag – mündlich oder schriftlich?

Eine Reitbe­tei­ligung für Kinder, zu thera­peu­ti­schen Zwecken oder einfach zum Wohl des Pferds – es gibt viele Gründe für Halter, ihr Tier anderen Personen zur Nutzung zu überlassen. Sinnvoll ist in jedem Fall ein Reitbe­tei­li­gungs­vertrag zwischen den Partnern. Das sind einer­seits der Halter und anderer­seits der fremde Reiter, auch Reitbe­tei­ligung genannt. Der Kontrakt kann sowohl mündlich als auch schriftlich vereinbart werden. Beide Varianten sind gültig. Kommt es aller­dings zu einem Gerichts­prozess, dann ist ein Vertrags­do­kument besser. Mit einer rein mündlichen Absprache könnte es nämlich zu Beweis­schwie­rig­keiten kommen.

Wer haftet für Schäden?

In dem Reitbe­tei­li­gungs­vertrag legt der Pferde­halter verbind­liche Regeln mit der Reitbe­tei­ligung fest. Zum Beispiel geht es darum, wie oft das Pferd geritten wird, wie es zu behandeln ist, ob die Reitbe­teilgung Reitun­ter­richt nehmen oder zum Unterhalt des Tiers beitragen muss. Sie sollten bei einem Reitbe­tei­li­gungs­vertrag aber nicht nur auf diese Fragen achten, sondern auch auf Haftung und Versi­che­rungs­schutz. Schließlich kann es schnell zu Unfällen kommen.

Grund­sätzlich muss der Pferde­halter gemäß § 833 Bürger­liches Gesetzbuch (BGB) gegenüber Dritten verschul­dens­un­ab­hängig für Schäden haften. Halter ist die Person, die über das Pferd entscheidet und damit die Bestim­mungs­macht darüber hat. Außerdem sorgt allein sie für den Unterhalt, profi­tiert vom Wert und Nutzen des Tiers und trägt das Verlust­risiko.

Mithalter mit Risiko

Anders sieht das aus, wenn ein Reitbe­tei­li­gungs­vertrag mit einem Mithalter vorliegt. In dem Fall trägt nicht nur der Halter, sondern auch die Reitbe­tei­ligung finan­ziell zum Unterhalt des Pferdes bei. Kommt es unter dieser Voraus­setzung zu einem Unfall, dann gilt dieser als Eigen­schaden der Reitbe­tei­ligung, sofern sie dabei im Sattel saß. Der Pferde­halter ist hier gegenüber der Reitbe­tei­ligung also nicht haftbar zu machen. Ebenso wenig greift eine Tierhal­ter­haft­pflicht­ver­si­cherung bei eigenen Schäden der Reitbe­tei­ligung. Dafür ist eine Unfall­ver­si­cherung notwendig.

Überlässt der Halter sein Pferd jemandem nur selten und ohne finan­zielle Betei­ligung, dann gilt diese Person als Fremdreiter und nicht als Mithalter. Schäden von Fremdreitern sind durch die Versi­cherung des Halters abgedeckt, wenn sie auch das Fremdreiter- bezie­hungs­weise Gastrei­ter­risiko trägt.

Reitbe­tei­ligung vor Gericht

Rechtsschutz

Mit dem Thema Reitbe­tei­li­gungs­vertrag hatte jetzt auch das Oberlan­des­ge­richt Nürnberg zu tun (AZ 4 U 1162/​13). Dabei ging es unter anderem um die Halter­haftung gegenüber einer Reitbe­tei­ligung. In dem Fall hatte die Kranken­ver­si­cherung einer Reiterin eine Pferde­hal­terin verklagt. Beide Frauen hatten einen Reitbe­tei­li­gungs­vertrag abgeschlossen. Die Reiterin durfte demnach das Pferd gegen eine monat­liche Gebühr von 100 Euro an drei Tagen pro Woche reiten. Bei einem Ritt auf der Koppel stürzte sie vom Pferd und erlitt eine Querschnitts­lähmung. Ausgelöst hatte den Unfall das Tier. Die Reitbe­tei­ligung war von der Unfall­ver­si­cherung der Halterin nicht gedeckt.

Die Kranken­kasse verlangte von der Beklagten die gesamten medizi­ni­schen Kosten für die Behandlung ihrer Versi­cherten zurück. Sie hat aber nur ein Anrecht auf die Hälfte, wie die Nürnberger Richter entschieden. Für sie war die Beklagte zwar alleinige Halterin des Pferds. Die Geschä­digte sei aber zum Zeitpunkt des Unfalls die Tierauf­se­herin gewesen und habe als solche vermutlich gegen ihre Sorgfalts­pflicht verstoßen. Diesen Verdacht konnte die Reiterin vor Gericht nicht ausräumen. Es ging daher von einer Schuld zu gleichen Teilen aus.

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