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12. Februar 2015, 15:46 Uhr

Bekleidungsvorschriften beachten Berufs­be­klei­dung: Para­dies­vö­gel sind nicht überall erwünscht

Ein neues Tattoo, rote Lackschuhe oder bunte Haarsträhnen – nicht immer stößt der neue Look von Mitarbeitern im Unternehmen auf Wohlwollen. Und nicht immer ist es eine reine Geschmacksfrage. Was müssen Arbeitnehmer bei ihrem Äußeren und ihrem Kleidungsstil beachten? Welche Einschränkungen müssen sie akzeptieren?

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Die äußere Erscheinung der Mitarbeiter kann je nach Berufsfeld von großer Bedeutung sein. „Die Berufsbekleidung/Arbeitskleidung ist der Oberbegriff für Kleidung, die während der Arbeitszeit getragen werden muss“, erläutert Ralph Muthers, Rechtsanwalt der Kanzlei Dr. Caspers, Mock & Partner. „Darunter fallen Schutzbekleidung, Uniformen, Amtsbekleidung und Dienstkleidung. Die Gründe für Berufsbekleidung können je nach Arbeitsbereich unterschiedlicher Natur sein. Meist dienen sie der Sicherheit, des Schutzes, der Hygiene oder auch dazu, einen seriösen Eindruck zu vermitteln.“

Jedoch muss nicht jede Vorschrift in Bezug auf die Berufskleidung hingenommen werden. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gab einem Piloten recht, der gegen die Pflicht klagte, bei seiner Arbeit eine Mütze zu tragen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass Pilotinnen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen keine Kopfbedeckung tragen müssen. Die „Betriebsvereinbarung Dienstkleidung“ verstoße daher, so das Bundesarbeitsgericht, gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und sei daher unwirksam.

Abmahnung aufgrund eines Verstoßes der Regelung von Berufsbekleidung

Jeder Arbeitgeber darf im Rahmen seiner Weisungsvorschriften Regeln für eine Berufsbekleidung erteilen. „Dies ist im Regelfall eine zulässige Einschränkung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts, das natürlich grundsätzlich trotzdem für jeden Mitarbeiter gilt“, erläutert Rechtsanwalt  Muthers. Diese Vorschriften können unter anderem mit dem Schutz der Angestellten begründet sein. Die Arbeitnehmer müssen dann zum Beispiel einen Helm oder Sicherheitsschuhe tragen. Auch können, wie in der Lebensmittelverarbeitung üblich, Handschuhe und Haarnetze vorgeschrieben sein.

Neben Bekleidungsvorschriften aus Hygiene und Sicherheitsgründen darf der Arbeitgeber grundsätzlich auch Dienstbekleidungsvorschriften erteilen. Möglicher Grund hierfür wäre ein einheitliches und seriöses Auftreten des Unternehmens nach außen, beispielsweise durch das Tragen einheitlicher Anzüge, Jackets oder Krawatten.

Grundsätzlich gilt: Liegt ein überwiegendes betriebliches Bedürfnis und Interesse vor, sind Vorschriften und Vorgaben für die Berufsbekleidung in der Regel zulässig und wirksam. Daher sollten auch Berufsbekleidungsvorschriften aus nicht funktionalen Gründen ernst genommen werden. Rechtsanwalt Ralph Muthers betont: „Ignoriert ein Arbeitnehmer die Vorschriften, muss er mit einer Abmahnung rechnen.“

Auch wenn es keine Vorschriften zur Berufsbekleidung gibt, sollten Sie ihrem Beruf entsprechend gekleidet sein. „Ein größerer Spielraum bedeutet nicht zugleich, dass alles erlaubt ist“, erläutert Muthers.

Neben Bekleidungsvorschriften kommt es in der Arbeitswelt immer wieder auch zu Diskussionen oder gar Streit über Tattoos oder Körperschmuck von Mitarbeitern oder Bewerbern.

Muss der Arbeit­ge­ber die Berufs­klei­dung stellen?

Viele Arbeitnehmer fragen sich: Wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Berufsbekleidung im Job vorschreibt, muss er sie dann auch selbst stellen? Geht es um den Schutz von Mitarbeitern am Arbeitsplatz, so regelt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in § 3, dass der Arbeitgeber bei riskanten Tätigkeiten die Schutzkleidung kostenlos zur Verfügung stellen muss. Tut der Arbeitgeber dies nicht, kann sich der Mitarbeiter je nach Einzelfall möglicherweise sogar weigern, die Tätigkeit auszuüben. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die Schutzkleidung intakt ist und wenn nötig regelmäßig gereinigt wird. „Anders ist es, wenn der Mitarbeiter aus persönlichen Sicherheitsgründen Schutzkleidung trägt“, sagt der Rechtsanwalt. „Dann kann er anteilig oder ganz an den Kosten für diese Berufsbekleidung beteiligt werden.“

Gibt es keine gesetzlichen Verpflichtungen für eine Berufsbekleidung, können Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam Regelungen rund um die Berufskleidung treffen. Die dabei getroffenen Bestimmungen können im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden. In diesen Fällen muss sich der Mitarbeiter auch an die Regelungen halten. Der Arbeitnehmer kann in diesen Fällen zumeist an den Kosten für die Berufsbekleidung beteiligt werden.

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