Hitze am Arbeitsplatz: Gibt es ein Recht auf Hitzefrei? © iStock.com/humonia

23. Juni 2022, 11:06 Uhr

Durchatmen Hitze am Arbeits­platz: Gibt es ein Recht auf Hitzefrei?

Wenn die Sonne lacht, lacht noch lange nicht jeder Arbeitnehmer. Hohe Temperaturen am Arbeitsplatz lassen Bürotage schnell zur Tortur werden – zumindest, wenn eine Klimaanlage fehlt. Nicht nur die Computer scheinen bei großer Hitze auszusetzen, sondern auch deine Konzentration und Merkfähigkeit. Doch hast du bei der Arbeit ein Recht auf Hitzefrei, so wie früher in der Schule?

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Was sagt die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung zu Hitze am Arbeitsplatz?

Die schlechte Nachricht direkt vorweg: Ein grundsätzliches Recht auf Hitzefrei für schwitzende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es nicht. Das heißt jedoch nicht, dass du jede Temperatur am Arbeitsplatz aushalten musst. Die Fragen, ob und wann es zu heiß zum Arbeiten ist und was dagegen getan werden kann, sind in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sowie in der Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A3.5 geregelt.

Die ASR A3.5 legt beispielsweise fest, dass die Raumtemperatur am Arbeitsplatz 26 Grad Celsius nicht übersteigen soll. Sonst müssen Hitzeschutzmaßnahmen zum Einsatz kommen, etwa Sonnenschutzsysteme für die Fenster.

Bestimmte Personengruppen wie Vorerkrankte, Schwangere und Stillende können gegen Vorlage eines ärztlichen Attests die Einhaltung bestimmter Temperaturen im Büro fordern. Wenn der Arbeitgeber dieser Forderung nicht nachkommen kann, hat die betroffene Person das Recht, an einem anderen Ort zu arbeiten oder freigestellt zu werden. Wichtig: Eine Freistellung solltest du immer mit deinem Arbeitgeber absprechen. Verlässt du deinen Arbeitsplatz einfach so, droht Ärger.

Hitze am Arbeits­platz: Pflichten des Arbeitgebers

Arbeitgeber haben gemäß § 618 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) eine Fürsorgepflicht sowie die Pflicht zu Schutzmaßnahmen. Dazu gehört auch, der Entstehung von großer Hitze vorzubeugen. Kritisch wird es meist spätestens dann, wenn am Arbeitsplatz über 30 Grad Celsius herrschen, obwohl es zum Beispiel ein Sonnenschutzsystem gibt. Zu möglichen Hitzeschutzmaßnahmen gehören dann gemäß ASR A3.5 beispielsweise:

  • Einbau von Kli­ma­an­la­gen, Jalousien oder Ventilatoren
  • mor­gend­li­ches Lüften
  • Angebot von kühlen Getränken und Hitzepausen
  • Lockerung einiger Beklei­dungs­re­geln, zum Beispiel der Verzicht aufs Jackett

Gut zu wissen für Arbeitnehmer: Die ASR A3.5 regelt nur, dass der Arbeitgeber ab 30 Grad “wirksame Maßnahmen” gegen die Hitze ergreifen muss. Die dort genannten Maßnahmen sind aber nur Beispiele. So kann der Arbeitgeber nicht zur Anschaffung einer Klimaanlage verpflichtet werden, wenn auch Ventilatoren oder schattenspendende Jalousien ausreichen, um die Temperatur auf ein erträgliches Maß zu senken.

Hitzefrei: Ab wann darf man wirklich nicht mehr arbeiten?

Unter bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer wegen großer Hitze auf der Arbeit tatsächlich hitzefrei bekommen. Dann nämlich, wenn die Raumtemperatur am Arbeitsplatz mehr als 35 Grad beträgt. In diesem Falle ist der Arbeitsraum als solcher nicht mehr geeignet. Kann der Arbeitgeber das Gesundheitsrisiko seiner Mitarbeiter nicht minimieren, sind Hitzepausen die einzige Alternative.

Aber Vorsicht – in einigen Fällen darf der Arbeitnehmer trotzdem verlangen, dass du weiterarbeitest:

  • … etwa, wenn es kühlere Räume im Betrieb gibt, in denen gear­bei­tet werden kann
  • … wenn die Arbeits­zeit auch auf die kühleren Morgen- und Abend­stun­den verlegt werden kann
  • … und sobald die Raum­tem­pe­ra­tur wieder auf unter 35 Grad sinkt.

Auch Arbeitnehmer müssen bei Sommerhitze auf sich achten, denn sonst nützt der beste Hitzeschutz im Betrieb nichts. Wer bei hohen Temperaturen zum Beispiel nicht genügend trinkt, gefährdet seine Gesundheit. Bei Ärger zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern stehen alle Beteiligten mit einem Rechtsschutz auf der sicheren Seite.

FAZIT
  • Ein Recht auf Hitzefrei haben Arbeit­neh­mer im All­ge­mei­nen nicht. Arbeit­ge­ber sind grund­sätz­lich gehalten, darauf zu achten, dass die Luft­tem­pe­ra­tur nicht über 26 Grad steigt.
  • Erreicht die Luft­tem­pe­ra­tur im Betrieb die 30-Grad-Marke, hat der Arbeit­ge­ber besondere Pflichten gegenüber seinen Mit­ar­bei­tern. Er muss Maßnahmen ergreifen, um die Hitze im Büro zu mini­mie­ren oder erträg­li­cher zu machen.
  • Herrschen über 35 Grad im Betrieb und kann der Arbeit­ge­ber keine weiteren Maßnahmen in die Wege leiten, um die Raum­tem­pe­ra­tur zu senken, dürfen Mit­ar­bei­ter unter Umständen die Arbeit unterbrechen.
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