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21. November 2019, 11:20 Uhr

Das wird richtig teuer: Streit­wert und Dauer steigen weiter

In puncto Streit scheinen die Menschen in Deutschland besonders ausdauernd. Das belegen zumindest die Ergebnisse von Deutschlands großem Streitatlas 2019. Der aktuellen Studie zufolge dauern 48,2 Prozent aller Streitigkeiten länger als 12 Monate. Das sind 4,5 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung.

Dass ein langer Konflikt auch häufig teurer ist, liegt nahe. Unabhängig davon steigt jedoch auch der Wert, um den gestritten wird. Jeder zehnte Streitwert lag 2018, dem Jahr der Datenerhebung, über 10.000 Euro. 2,8 Prozent höher als 2016.

Doch woran liegt es, dass nicht nur der Wert, sondern auch die Streitdauer in Deutschland stetig steigt?

 

Sach­ver­hal­te werden komplexer und Ver­brau­cher fordern häufiger ihr Recht ein

Die Verbraucher in Deutschland sind nicht nur immer besser über ihre Rechte informiert, sondern treten auch selbstbewusster dafür ein. Das führt natürlich auch zu einer Mehrbelastung der Gerichte und zu längeren Verfahren. Besonders hingebungsvoll wird im Bereich des Privaten gestritten. Beliebt sind dabei Themen wie Lärmbelästigung und Schadensersatz – da kann es schnell mal richtig teuer werden.

Hinzu kommt, dass viele Sachverhalte und damit auch die Gesetze und Richtlinien immer komplexer werden. Besonders streitbar sind neuere Themen wie beispielsweise Online-Handel, Datenschutz, Urheber- oder Nutzungsrecht. Unabhängig von der Rechtslage bringt die Digitalisierung auch auf der kommunikativen Ebene neue Herausforderungen mit sich und birgt damit auch neues Konfliktpotential.

 

Streit­fal­le: Digitale Kom­mu­ni­ka­ti­on

In der digitalen Welt hat sich nicht nur das Tempo und die Art der Kommunikation geändert, sondern auch das Streitverhalten – besonders in den Punkten über was und wie gestritten wird.

Bei der digitalen Kommunikation entfällt nicht nur Mimik und Gestik, sondern auch die Betonung des Gesagten, was zu Missverständnissen führen kann. Darüber hinaus hat besonders das Internet die Eigenschaft nichts zu vergessen. Einmal geschrieben, lassen sich Äußerungen nicht mehr zurücknehmen und sind immer wieder abrufbar.

Wenn Aussagen im Eifer des Gefechts schnell oder unter dem vermeintlichen Schutz der Anonymität getroffen werden, kann dies im Ernstfall zu brenzligen oder gar rechtskritischen Situationen führen, da der Urheber in den meisten Fällen ermittelt werden kann.

Besonders schnell verhärten sich die Fronten, wenn eine Diskussion öffentlich in Foren oder sozialen Netzwerken ausgetragen wird. Mit jeder Person kommen auch weitere Meinungen, Standpunkte und Kommentare hinzu – da ist die Eskalation des Konflikts häufig vorprogrammiert.

 

Fest­ge­fah­ren: Was tun, wenn kein Ende in Sicht ist?Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

Wenn beide Parteien auf ihren Standpunkt beharren und somit kein Ende des Konflikts in Sicht ist, kann ein Mediator helfen, die Situation zu entschärfen bevor es eskaliert.

Bei Mediatoren handelt es sich meistens um spezialisierte Anwälte, die unparteiisch zwischen den Konfliktparteien vermitteln und versuchen, eine Einigung zwischen beiden herbeizuführen. Viele Rechtsschutzversicherungen bieten Mediation mittlerweile als eine Form der Konfliktlösung an, da eine außergerichtliche Einigung nicht nur Geld und Zeit, sondern auch Nerven spart.

Der Begriff des Mediators ist jedoch nicht geschützt. Das bedeutet, dass nicht jeder Mediator ein Anwalt mit der entsprechenden Qualifikation ist. Unabhängig davon zählt am Ende das Ergebnis. Im Idealfall ist dies eine einvernehmliche Einigung der Parteien ohne einen langen Rechtsstreit und hohe Prozesskosten.

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