{"id":4423,"date":"2019-07-27T10:15:34","date_gmt":"2019-07-27T09:15:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/?p=4423"},"modified":"2019-07-26T13:41:25","modified_gmt":"2019-07-26T12:41:25","slug":"sterbehilfe-in-deutschland-die-aktuelle-rechtslage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/sterbehilfe-in-deutschland-die-aktuelle-rechtslage\/","title":{"rendered":"Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe in Deutsch\u00adland: Die aktuelle Rechtslage"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema Sterbehilfe steht seit Jahren in der Diskussion: W\u00e4hrend aktive Sterbehilfe in Deutschland klar verboten ist, stellt sich die Rechtslage vor allem bei der Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung \u2013 auch durch \u00c4rzte \u2013 kompliziert dar und wirft viele Fragen auf. Worum es dabei genau geht, liest du hier.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/privatrechtsschutz\/\">Auch in schwierigen Lebenslagen bist du mit uns gut abgesichert. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Formen der Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe: Was bedeutet aktiv, passiv, indirekt?<\/h2>\n<p>Im Allgemeinen wird zwischen vier Formen der Sterbehilfe unterschieden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Aktive Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe: <\/strong>Gezielte T\u00f6tung einer ster\u00adbe\u00adwil\u00adli\u00adgen Person durch eine aktive Handlung wie etwa Ver\u00adab\u00adrei\u00adchen eines ent\u00adspre\u00adchen\u00adden Mittels. Geschieht dies auf aus\u00addr\u00fcck\u00adli\u00adchen Wunsch des Ster\u00adbe\u00adwil\u00adli\u00adgen, spricht man auch von <strong>T\u00f6tung auf Verlangen<\/strong>.<\/li>\n<li><strong>Beihilfe zur Selbst\u00adt\u00f6\u00adtung (assis\u00adtier\u00adter Suizid): <\/strong>Bereit\u00adstel\u00adlen eines Mittels zur Selbst\u00adt\u00f6\u00adtung, das der Ster\u00adbe\u00adwil\u00adli\u00adge dann selbst einnimmt.<\/li>\n<li><strong>Passive Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe<\/strong>: Darunter f\u00e4llt etwa der Verzicht auf lebens\u00adver\u00adl\u00e4n\u00adgern\u00adde Ma\u00dfnahmen, sodass der begonnene Ster\u00adbe\u00adpro\u00adzess zuge\u00adlas\u00adsen&nbsp;wird.<\/li>\n<li><strong>Indirekte Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe<\/strong>: Gabe von nicht direkt t\u00f6dlichen Medi\u00adka\u00admen\u00adten (Bet\u00e4u\u00adbungs- oder Schmerz\u00admit\u00adteln) an Schwer\u00adkran\u00adke unter Inkauf\u00adnah\u00adme des vor\u00adzei\u00adti\u00adgen Todes. Stimmt der Patient dem aus\u00addr\u00fcck\u00adlich zu, ist das legal. Diese Art der Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe wird von Medi\u00adzi\u00adnern aber eher als theo\u00adre\u00adti\u00adsche M\u00f6g\u00adlich\u00adkeit angesehen, die in der Praxis selten vorkommt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Aktive Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe ist klar verboten \u2013 assis\u00adtier\u00adter Suizid ist umstritten<\/h2>\n<p><strong>Aktive Sterbehilfe<\/strong> beziehungsweise T\u00f6tung auf Verlangen ist in Deutschland gem\u00e4\u00df \u00a7 216 Strafgesetzbuch (StGB) <strong>verboten <\/strong>und wird mit Freiheitsstrafen bis zu f\u00fcnf Jahren geahndet.<\/p>\n<p><strong>Assistierter Suizid<\/strong> ist in Deutschland gem\u00e4\u00df einer 2015 in \u00a7 217 StGB eingef\u00fchrten Regelung dann <strong>verboten, wenn er gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig gef\u00f6rdert wird<\/strong>. Dies betrifft etwa Sterbehilfevereine. Gegen dieses Verbot sind aktuell (Stand Juli 2019) noch mehrere Verfassungsbeschwerden anh\u00e4ngig. Das Bundesverfassungsgericht will dazu im Lauf des Jahres 2019 ein Urteil verk\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>Erlaubt<\/strong> ist assistierter Suizid nach aktueller Rechtslage in Deutschland, wenn die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung \u2013 etwa das Bereitstellen eines t\u00f6dlichen Medikaments \u2013 nicht gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig begr\u00fcndet ist und eine schwerkranke Person das Mittel aus eigenem Willen selbst einnimmt. Dass <strong>Patienten in Einzelf\u00e4llen Anspruch auf solche Medikamente haben<\/strong>, <a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/urteil-sterbehilfe-in-deutschland-in-extremfaellen-zulaessig\/\">entschied 2017 das Bundesverfassungsgericht<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Heikle Rechts\u00adla\u00adge: Wann machen sich \u00c4rzte bei Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe strafbar?<\/h2>\n<p>In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der <strong>Rolle, die Mediziner im Sterbehilfeprozess spielen d\u00fcrfen<\/strong>. Die Rechtslage ist kompliziert:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00c4rzte k\u00f6nnen theo\u00adre\u00adtisch gegen die Bestim\u00admun\u00adgen von <strong> 217 StGB<\/strong> versto\u00dfen, wenn sie Patienten Mittel zur Selbst\u00adt\u00f6\u00adtung zur Verf\u00fcgung stellen. Wann genau sie sich strafbar machen, ist im Ein\u00adzel\u00adfall aber Auslegungssache.<\/li>\n<li>Zudem verbieten viele <strong>\u00e4rztliche Berufs\u00adord\u00adnun\u00adgen<\/strong> die Beihilfe zur Selbst\u00adt\u00f6\u00adtung \u2013 aber nicht&nbsp;alle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Juli 2019 sprach der <strong>Bundesgerichtshof (BGH)<\/strong> zwei \u00c4rzte von dem Vorwurf frei, sich im Zusammenhang mit Sterbehilfe wegen T\u00f6tung und unterlassener Hilfeleistung strafbar gemacht zu haben (AZ 5 StR 132\/18 und 5 StR 393\/18). Beide \u00c4rzte hatten sterbewilligen Patientinnen t\u00f6dliche Medikamente zur Verf\u00fcgung gestellt und waren anwesend, als die Patientinnen diese einnahmen und schlie\u00dflich bewusstlos wurden. Dabei griffen die Mediziner nicht ein, sodass die Frauen (wunschgem\u00e4\u00df) starben.<\/p>\n<p>Der BGH entschied: Weil es der <strong>erkl\u00e4rte Wille<\/strong> der erkrankten Frauen war, zu sterben, <strong>mussten die \u00c4rzte keine Rettungsma\u00dfnahmen ergreifen<\/strong>.<\/p>\n<p>Da die F\u00e4lle sich 2012 und 2013 ereigneten, war \u00a7 217 StGB, der erst 2015 in Kraft trat, hier noch nicht anzuwenden. K\u00fcnftige F\u00e4lle von Selbstt\u00f6tungen, bei denen Mediziner assistieren, werden aber \u2013 vorbehaltlich der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Paragraphen \u2013 in der Regel danach zu beurteilen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wann passive Ster\u00adbe\u00adhil\u00adfe in Deutsch\u00adland erlaubt ist<a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/fallbeispiele-privat-rechtsschutz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9267 size-full alignright\" title=\"Auch in diesen F\u00e4llen ist ein Privat-Rechtsschutz hilfreich!\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A.png\" alt=\"Advocard-Privatrechtsschutz\" width=\"313\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A.png 313w, https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A-300x190.png 300w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\"><\/a><\/h2>\n<p><strong>Passive Sterbehilfe<\/strong>, also der Verzicht auf lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen oder Medikamente<strong>,<\/strong> ist in Deutschland unter bestimmten Bedingungen legal. Dazu muss eine g\u00fcltige <a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/patientenverfuegung-oder-vorsorgevollmacht-was-ist-besser-8\/\"><strong>Patientenverf\u00fcgung<\/strong><\/a> oder eine beachtenswerte <strong>Willens\u00e4u\u00dferung<\/strong> des Betroffenen nach \u00a7 1901a Absatz 2 BGB vorliegen. Wichtig: Patienten sollten m\u00f6glichst konkret festhalten oder \u00e4u\u00dfern, <strong>welche Behandlungen<\/strong> und lebensverl\u00e4ngernden Ma\u00dfnahmen sie nicht w\u00fcnschen&nbsp; \u2013 und unter <strong>welchen Umst\u00e4nden<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Sterbehilfe steht seit Jahren in der Diskussion: W\u00e4hrend aktive Sterbehilfe in Deutschland klar verboten ist, stellt sich die Rechtslage vor allem bei der Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung \u2013 auch durch \u00c4rzte \u2013 kompliziert dar und wirft viele Fragen auf. Worum es dabei genau geht, liest du hier. 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