{"id":20616,"date":"2020-02-23T10:00:47","date_gmt":"2020-02-23T09:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/?p=20616"},"modified":"2020-02-21T14:38:03","modified_gmt":"2020-02-21T13:38:03","slug":"olg-urteil-kind-haftet-selbst-fuer-fahrradunfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/arbeit-und-karriere\/olg-urteil-kind-haftet-selbst-fuer-fahrradunfall\/","title":{"rendered":"OLG-Urteil: Kind haftet selbst f\u00fcr Fahrradunfall"},"content":{"rendered":"<p>\"Eltern haften f\u00fcr ihre Kinder\" \u2013 das gilt nicht in jedem Fall. Ein Kind kann auch selbst haftbar sein, wenn es einen Unfall verursacht. Weil sie mit ihrem Fahrrad eine Fu\u00dfg\u00e4ngerin anfuhr, wurde eine Achtj\u00e4hrige zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld verpflichtet.<\/p>\n<p><a title href=\"https:\/\/www.advocard.de\/360-grad\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir sch\u00fctzen deine Rechte \u2013 und die deiner Liebsten. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<h2>Kind hatte nicht nach vorne geschaut<\/h2>\n<p>Was war passiert? Das M\u00e4dchen, das schon seit seinem f\u00fcnften Lebensjahr mit dem Fahrrad im Stra\u00dfenverkehr unterwegs ist,&nbsp;radelte im Urlaub auf einer Uferpromenade. Die Eltern&nbsp;folgten dem Kind in einigen Metern Entfernung \u2013 also in Ruf- und Sichtweite \u2013 zu Fu\u00df.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die damals Achtj\u00e4hrige vorw\u00e4rts fuhr, hatte sie&nbsp;<strong>f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit zu ihren Eltern nach hinten geschaut.<\/strong>&nbsp;Dabei kam das M\u00e4dchen vom Kurs ab und steuerte&nbsp;unbemerkt auf eine am Wegesrand stehende Urlauberin zu. Die Warnung der Eltern und die Vollbremsung des M\u00e4dchens kamen zu sp\u00e4t:<strong>&nbsp;Die Urlauberin geriet ins Straucheln, st\u00fcrzte von der Promenade und verletzte sich dabei.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unfallopfer scheiterte zun\u00e4chst vor Gericht<\/strong><\/p>\n<p>Die verletzte&nbsp;Fu\u00dfg\u00e4ngerin forderte Schadensersatz und Schmerzsengeld von Eltern und Kind, scheiterte damit jedoch vor dem Landgericht (LG) Hannover&nbsp;(AZ 16 O 9\/17).&nbsp; Das Oberlandesgericht (OLG) Celle als Folgeinstanz sah die Sache ein wenig anders: Es verpflichtete das M\u00e4dchen zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld (AZ 14 U 69\/19).&nbsp;<strong>Anspr\u00fcche gegen die Eltern wies das OLG jedoch zur\u00fcck<\/strong>, da sie ihre&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/leben-und-familie\/aufsichtspflicht-der-eltern-haftung-fuer-radfahrende-kinder\/\">Aufsichtspflicht&nbsp;<\/a>nicht verletzt h\u00e4tten. Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/internet-und-konsum\/eltern-haften-fuer-ihre-kinder-stimmt-das\/\">Haftung&nbsp;<\/a>liegt also allein beim Kind.<\/p>\n<h2>M\u00e4dchen wusste, wie es richtig geht<\/h2>\n<p>Entscheidend f\u00fcr das Gericht war,&nbsp;<strong>dass dem M\u00e4dchen durchaus bewusst war, dass man beim Fahrradfahren nach vorne schauen m\u00fcsse.<\/strong>&nbsp;Zu dieser \u00dcberzeugung gelangte das Gericht aufgrund einer&nbsp;pers\u00f6nlichen Anh\u00f6rung des Kindes und durch den Umstand, dass es bereits seit mehreren Jahren regelm\u00e4\u00dfig mit dem Rad im Stra\u00dfenverkehr unterwegs war.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen wisse, dass es beim Radfahren nicht f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit nach hinten schauen d\u00fcrfe. Das Verhalten sei auch nicht reflexhaft ausgel\u00f6st worden, wie es etwa beim Nachlaufen hinter einem Ball der Fall w\u00e4re.<strong>&nbsp;Deshalb sei das Kind f\u00fcr den durch sein Fehlverhalten entstandenen Schaden verantwortlich.&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.advocard.de\/info\/privat\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-18457 size-medium\" title=\"Die Privatrechtsschutzversicherung von ADVOCARD\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Vererben_Vorsorgen_A-300x190-300x190.png\" alt=\"Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz\" width=\"300\" height=\"190\"><\/a><\/strong><\/p>\n<h2>Ein\u00adsichts\u00adf\u00e4\u00adhig\u00adkeit ist ent\u00adschei\u00addend f\u00fcr Haftung<\/h2>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 828 B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB) k\u00f6nnen&nbsp;<strong>Kinder unter sieben Jahren<\/strong>&nbsp;nicht f\u00fcr Sch\u00e4den verantwortlich gemacht werden, die sie anderen zuf\u00fcgen.&nbsp;<strong>Minderj\u00e4hrige ab sieben Jahren<\/strong>&nbsp;k\u00f6nnen hingegen f\u00fcr Sch\u00e4den haftbar sein \u2013 sofern sie die erforderliche Einsicht besitzen, um zu erkennen, dass ihr Handeln Dritte sch\u00e4digen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Von ihrem Taschengeld abstottern muss das M\u00e4dchen die Anspr\u00fcche der Unfallgegnerin jedoch nicht. Die Haftpflichtversicherung der Eltern kommt f\u00fcr den Schaden auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\"Eltern haften f\u00fcr ihre Kinder\" \u2013 das gilt nicht in jedem Fall. Ein Kind kann auch selbst haftbar sein, wenn es einen Unfall verursacht. Weil sie mit ihrem Fahrrad eine Fu\u00dfg\u00e4ngerin anfuhr, wurde eine Achtj\u00e4hrige zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld verpflichtet. 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