{"id":20480,"date":"2020-01-23T13:14:01","date_gmt":"2020-01-23T12:14:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/patientenverfuegung-schliesst-zwangsbehandlung-nicht-immer-aus\/"},"modified":"2022-01-27T14:42:37","modified_gmt":"2022-01-27T13:42:37","slug":"patientenverfuegung-schliesst-zwangsbehandlung-nicht-immer-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/patientenverfuegung-schliesst-zwangsbehandlung-nicht-immer-aus\/","title":{"rendered":"Pati\u00aden\u00adten\u00adver\u00adf\u00fc\u00adgung schlie\u00dft Zwangs\u00adbe\u00adhand\u00adlung nicht immer&nbsp;aus"},"content":{"rendered":"<p>Nicht immer ist eine Patientenverf\u00fcgung verbindlich. Wichtiger als die Willenserkl\u00e4rung ist gegebenenfalls der&nbsp;Schutz der Allgemeinheit. Deshalb kann eine unerw\u00fcnschte Zwangsbehandlung psychisch Kranker rechtens sein. Das hat das Landgericht Osnabr\u00fcck in einem aktuellen Urteil entschieden.<\/p>\n<p><a title=\"Vorsorge-Generator\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/service\/vorsorgegenerator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">F\u00fcr alle F\u00e4lle gut abgesichert \u2013&nbsp;mit unserem Vorsorge-Generator. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<h2>Von Patienten darf keine Gefahr ausgehen<\/h2>\n<p>Mit einer Patientenverf\u00fcgung wollen Menschen verbindlich regeln,&nbsp;welche Behandlung sie bei einer schweren und gegebenenfalls todbringenden Erkrankung zulassen. Sie&nbsp;gilt f\u00fcr den Fall, dass sie vor\u00fcbergehend oder dauerhaft nicht selbst \u00fcber die Art ihrer medizinischen Versorgung entscheiden k\u00f6nnen. Die eigenen Bestimmungen haben allerdings Grenzen. N\u00e4mlich dann, wenn die Anordnungen in der Patientenverf\u00fcgung dem <strong>Schutz der Allgemeinheit<\/strong> entgegenstehen.&nbsp;Diesen&nbsp;Beschluss (AZ 4 T 8\/20 - 4 T 10\/20) hat jetzt das&nbsp;Landgericht (LG) Osnabr\u00fcck gefasst.<\/p>\n<h2>Gemeinde darf Zwangs\u00adbe\u00adhand\u00adlung anordnen<\/h2>\n<p>Bei der Entscheidung geht es um eine psychisch erkrankte Person, die sich gegen\u00fcber seinen Mitmenschen sexuell enthemmt und aggressiv verhielt. Deshalb ordnete eine Gemeinde die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung und die <strong>zwangsweise Versorgung mit Medikamenten an<\/strong>. Rechtsgrundlage daf\u00fcr war das Nieders\u00e4chsische Gesetz \u00fcber Hilfen und Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr psychisch Kranke.<\/p>\n<p>Zudem&nbsp;war der Betroffene auch k\u00f6rperlich lebensbedrohlich erkrankt,&nbsp;wollte sich aber nicht dagegen behandeln lassen. Diese Verweigerung f\u00fchrte die Gemeinde&nbsp;ebenfalls auf die psychischen Probleme&nbsp; zur\u00fcck. Das&nbsp;Amtsgericht (AG) Osnabr\u00fcck folgte der Gemeinde und lie\u00df die beantragte Zwangsbehandlung zu. Dabei <strong>verwies es auf die Gefahr, die von der betroffenen Person f\u00fcr sich und andere ausgehe.<\/strong><\/p>\n<h2>Keine Pati\u00aden\u00adten\u00adver\u00adf\u00fc\u00adgung im her\u00adk\u00f6mm\u00adli\u00adchen&nbsp;Sinn<\/h2>\n<p>Damit war die Person nicht einverstanden und legte Beschwerde beim&nbsp;Landgericht Osnabr\u00fcck ein, weil die Entscheidung <strong>ihrer Patientenverf\u00fcgung widersprach<\/strong>. Darin hatte sie \"jede <a title=\"Medizinische Zwangsbehandlung: Die Rechtslage\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/medizinische-zwangsbehandlung-die-rechtslage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zwangsbehandlung<\/a> egal mit welchen als Medikamenten bezeichneten Stoffen\" abgelehnt. Au\u00dferdem sei ihre \"Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung strikt und verbindlich und unter allen Umst\u00e4nden zu unterbinden\".<\/p>\n<p>Die Patientenverf\u00fcgung basiert auf einem Online-Muster&nbsp;einer Initiative, die sich nach Einsch\u00e4tzung des Gerichts&nbsp;\"in politischer Weise gegen bestimmte Formen der psychiatrischen Behandlung\" richte. Dies m\u00fcsse bei der Auslegung der Verf\u00fcgung besonders ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.advocard.de\/info\/privat\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-18457 size-medium\" title=\"Die Privatrechtsschutz von ADVOCARD\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Vererben_Vorsorgen_A-300x190-300x190.png\" alt=\"Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz\" width=\"300\" height=\"190\"><\/a><\/p>\n<h2>Sicher\u00adheit Dritter geht vor Selbstbestimmungsrecht<\/h2>\n<p>Das LG Osnabr\u00fcck wies die Beschwerde des Erkrankten zur\u00fcck, da es die Patientenverf\u00fcgung hier als nicht verbindlich ansah. In der Vorlage werde zwar eine psychiatrische Zwangsbehandlung abgelehnt.&nbsp;Die Initiative wende sich&nbsp;aber nicht gegen die Therapie k\u00f6rperlicher Krankheiten.<\/p>\n<p>Da die Person aber auch davon betroffen sei und durch den Widerspruch auch&nbsp;ihre physische Genesung aufs Spiel setze, sei in diesem Fall eine <strong>Zwangsbehandlung gerechtfertigt<\/strong> \u2013 trotz anderslautender Patientenverf\u00fcgung. Wichtiger als&nbsp;Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen seien hier die Rechte und die Sicherheit anderer Personen.<\/p>\n<h2>Grund\u00ads\u00e4tz\u00adli\u00adcher Kl\u00e4\u00adrungs\u00adbe\u00addarf vorhanden<\/h2>\n<p>Au\u00dferdem sollen Einweisung und medikament\u00f6se Zwangsbehandlung die geistige Gesundheit der Person wiederherstellen. <strong>Gehe anschlie\u00dfend keine Gefahr mehr von ihr aus, k\u00f6nne sie wieder ein selbstbestimmtes Leben f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings sieht das Landgericht Osnabr\u00fcck noch grunds\u00e4tzlichen Kl\u00e4rungsbedarf bei diesem Thema. Deshalb l\u00e4sst es eine Rechtsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof zu, um eine h\u00f6chstrichterliche Entscheidung anzusto\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht immer ist eine Patientenverf\u00fcgung verbindlich. Wichtiger als die Willenserkl\u00e4rung ist gegebenenfalls der&nbsp;Schutz der Allgemeinheit. 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F\u00fcr alle F\u00e4lle gut abgesichert \u2013&nbsp;mit unserem Vorsorge-Generator. &gt;&gt; Von Patienten darf keine Gefahr ausgehen Mit einer Patientenverf\u00fcgung wollen Menschen verbindlich [\u2026]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[35,38],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20480"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20480"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23100,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20480\/revisions\/23100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}