{"id":20286,"date":"2019-12-05T09:30:02","date_gmt":"2019-12-05T08:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/arbeit-und-karriere\/arbeitsvertrag\/zu-viel-gehalt-bekommen-muss-man-es-zurueckzahlen\/"},"modified":"2021-03-01T17:48:41","modified_gmt":"2021-03-01T16:48:41","slug":"zu-viel-gehalt-bekommen-muss-man-es-zurueckzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/arbeit-und-karriere\/arbeitsvertrag\/zu-viel-gehalt-bekommen-muss-man-es-zurueckzahlen\/","title":{"rendered":"Zu viel Gehalt bekommen: Muss man es zur\u00fcckzahlen?"},"content":{"rendered":"<p>Auf deiner Gehaltsabrechnung erscheint ein ungew\u00f6hnlicher Betrag: Du hast aus Versehen zu viel Gehalt bekommen. Was nun? Behalten und freuen \u2013 oder ehrlich sein und zur\u00fcckzahlen? Wozu du bei einem solch unerwarteten&nbsp;Geldsegen verpflichtet bist, liest du hier.<\/p>\n<p><a title=\"Berufs-Rechtsschutz von ADVOCARD\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/berufsrechtsschutz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber bist du mit uns gut abgesichert. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<h2>Zu viel Gehalt: Wer das bemerkt, muss melden und zur\u00fcckzahlen<\/h2>\n<p>Fehler&nbsp;k\u00f6nnen jedem passieren \u2013 auch dem Arbeitgeber. Hat ein Arbeitnehmer also versehentlich mehr Gehalt bekommen, als ihm laut Arbeitsvertrag zusteht, dann hat der Arbeitgeber&nbsp;nicht einfach Pech \u2013 sondern gem\u00e4\u00df \u00a7 812 B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB) grunds\u00e4tzlich einen<strong> Herausgabeanspruch<\/strong>. Das hei\u00dft:&nbsp;Der Arbeitnehmer muss den Betrag, der sein vereinbartes Gehalt \u00fcbersteigt, zur\u00fcckzahlen.<\/p>\n<p>Das gilt insbesondere dann, wenn der <strong>Arbeitnehmer selbst bemerkt, dass mit seiner Gehaltsabrechnung etwas nicht stimmt<\/strong>. Oder&nbsp;wenn die Abweichung vom regul\u00e4ren Gehalt so gro\u00df ist, dass der Arbeitnehmer sie in jedem Fall h\u00e4tte bemerken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Meldet er den Fehler dann nicht, verst\u00f6\u00dft er gegen seine <strong>Treuepflicht&nbsp;<\/strong>gegen\u00fcber dem Arbeitgeber.&nbsp;Und das kann&nbsp;<strong>arbeitsrechtliche Konsequenzen<\/strong>&nbsp;nach sich ziehen, im schlimmsten Fall sogar die fristlose K\u00fcndigung. Dar\u00fcber hinaus kann der Arbeitgeber das \u00fcberzahlte Gehalt auch auf gerichtlichem Weg zur\u00fcckfordern.<\/p>\n<h2>Kann der Arbeit\u00adge\u00adber den Betrag einfach vom n\u00e4chsten Gehalt abziehen?<\/h2>\n<p>Hier kommt es darauf an, <strong>wie hoch der \u00fcberzahlte Betrag ist<\/strong>. Handelt es sich nur um ein einmaliges Versehen und um einen \u00fcberschaubaren Betrag, dann kannst du dir mit deinem Arbeitgeber sicher einig werden, dass er dein Gehalt beim n\u00e4chsten Mal entsprechend k\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Allerdings darf der Arbeitgeber dein Gehalt in der Regel nicht eigenm\u00e4chtig so weit k\u00fcrzen, dass du davon deinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kannst.<\/p>\n<h2>Nichts bemerkt und das Geld schon aus\u00adge\u00adge\u00adben: Was&nbsp;nun?<\/h2>\n<p>Einen Ausweg aus der R\u00fcckzahlungspflicht&nbsp;bietet das B\u00fcrgerliche Gesetzbuch auch: Gem\u00e4\u00df \u00a7 818 Absatz 3 BGB muss <strong>zu viel gezahltes Gehalt nicht zur\u00fcckgezahlt werden<\/strong>, wenn der Arbeitnehmer&nbsp;den Fehler nicht bemerkt und den Betrag&nbsp;bereits f\u00fcr&nbsp; etwas ausgegeben hat, dessen Gegenwert sich nicht mehr in seinem Verm\u00f6gen befindet. Im Juristendeutsch spricht man dabei von \"<strong>Entreicherung<\/strong>\".<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Dein Arbeitgeber \u00fcberweist dir versehentlich einmalig 100 Euro zu viel. Du&nbsp;hast dir nichts dabei gedacht, dich \u00fcber den hohen Puffer <a title=\"Wann muss das Gehalt auf dem Konto sein?\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/arbeit-und-karriere\/arbeitsvertrag\/wann-muss-das-gehalt-auf-dem-konto-sein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf deinem Konto am Monatsende<\/a> gefreut und dir etwas daf\u00fcr geg\u00f6nnt. Es kommt nun darauf an, was du gekauft hast:<\/p>\n<ul>\n<li>Von einer&nbsp;Kon\u00adzert\u00adkar\u00adte oder einem Restau\u00adrant\u00adbe\u00adsuch&nbsp;hast du keinen dau\u00ader\u00adhaf\u00adten Ver\u00adm\u00f6\u00adgens\u00adwert \u2013 das Geld ist also weg und du bist \"ent\u00adrei\u00adchert\".<\/li>\n<li>Ver\u00adwen\u00addest du das Geld aber daf\u00fcr, dir eine neue Uhr zu kaufen oder eine zus\u00e4tz\u00adli\u00adche R\u00fcck\u00adzah\u00adlung f\u00fcr&nbsp;deinen laufenden Kredit zu leisten, dann befindet sich der Gegenwert der 100 Euro rechtlich gesehen noch in deinem Verm\u00f6gen. In diesem Fall kann der Arbeit\u00adge\u00adber die R\u00fcck\u00adzah\u00adlung oder zur Not die Her\u00adaus\u00adga\u00adbe fordern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber Vorsicht: War der \u00fcberzahlte Betrag so hoch, dass du den Fehler h\u00e4ttest bemerken m\u00fcssen, kann dir Vorsatz nachgewiesen werden \u2013 und zudem ein <a title=\"Warum Rechtsschutz?\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/rechtsschutzversicherung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsstreit mit dem Arbeitgeber<\/a> wegen der R\u00fcckzahlung drohen.<\/p>\n<h2>Muss man seine Gehalts\u00adab\u00adrech\u00adnung auf Fehler pr\u00fcfen?<\/h2>\n<p><strong>Arbeitnehmer m\u00fcssen nicht jeden Monat akribisch ihre Gehaltsabrechnung auf m\u00f6gliche Fehler pr\u00fcfen.<\/strong>&nbsp;So&nbsp;entschied zum Beispiel das Landesarbeitsgericht Niedersachsen 2007 in einem Streitfall um \u00fcberzahltes Gehalt (AZ 9 Sa 1560\/06).<\/p>\n<p><strong>Ein regelm\u00e4\u00dfiger Blick auf die Abrechnung ist aber&nbsp;trotzdem zu empfehlen:<\/strong> Schlie\u00dflich k\u00f6nnte es ja auch sein, dass du mal versehentlich zu wenig&nbsp;Geld \u00fcberwiesen bekommst. Und zahlt der Arbeitgeber dauerhaft zu viel Gehalt aus, kann sich das zu einem hohen Betrag l\u00e4ppern, der dich bei einer R\u00fcckzahlungsforderung vor ernsthafte Probleme stellt.<a href=\"http:\/\/www.advocard.de\/info\/arbeit\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-9263 size-full\" title=\"Arbeitsrechtsrechtsschutz\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Arbeit_Karriere_A.png\" alt=\"Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz\" width=\"313\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Arbeit_Karriere_A.png 313w, https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Arbeit_Karriere_A-300x190.png 300w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\"><\/a><\/p>\n<h2>Ver\u00adj\u00e4h\u00adrung: Wie lange ist eine Gehalts\u00adr\u00fcck\u00adfor\u00adde\u00adrung m\u00f6glich?<\/h2>\n<p>Gibt es&nbsp;zu einer Gehaltsr\u00fcckforderung Vereinbarungen im <strong>Arbeitsvertrag<\/strong> oder in einem bestehenden <strong>Tarifvertrag <\/strong>\u2013 sogenannte<strong> Ausschlussfristen \u2013<\/strong>, dann&nbsp;haben diese Vorrang vor der gesetzlichen Regelung. Beispielsweise kann festgehalten sein, dass alle Anspr\u00fcche aus dem Arbeitsverh\u00e4ltnis&nbsp;innerhalb von drei Monaten geltend gemacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ansonsten gilt die <strong>gesetzliche Verj\u00e4hrungsfrist<\/strong>&nbsp;gem\u00e4\u00df \u00a7 199 BGB:<strong> drei Jahre<\/strong> ab&nbsp;dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Arbeitgeber davon Kenntnis erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Nicht zur\u00fcckfordern kann der Arbeitgeber<\/strong> das \u00fcberzahlte Gehalt gem\u00e4\u00df \u00a7 814 BGB grunds\u00e4tzlich, wenn er <strong>bereits bei der Auszahlung wusste, dass&nbsp;es zu hoch ist<\/strong> (\"Kenntnis der Nichtschuld\").<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf deiner Gehaltsabrechnung erscheint ein ungew\u00f6hnlicher Betrag: Du hast aus Versehen zu viel Gehalt bekommen. Was nun? Behalten und freuen \u2013 oder ehrlich sein und zur\u00fcckzahlen? Wozu du bei einem solch unerwarteten&nbsp;Geldsegen verpflichtet bist, liest du hier. Bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber bist du mit uns gut abgesichert. &gt;&gt; Zu viel Gehalt: Wer das bemerkt, [\u2026]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20286"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20286"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21757,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20286\/revisions\/21757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}