{"id":18894,"date":"2019-04-10T11:06:01","date_gmt":"2019-04-10T10:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/gesundheit\/kuenstliche-ernaehrung-ohne-patientenverfuegung-keine-arzthaftung\/"},"modified":"2019-04-10T15:06:30","modified_gmt":"2019-04-10T14:06:30","slug":"kuenstliche-ernaehrung-ohne-patientenverfuegung-keine-arzthaftung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/gesundheit\/kuenstliche-ernaehrung-ohne-patientenverfuegung-keine-arzthaftung\/","title":{"rendered":"K\u00fcnst\u00adli\u00adche Ern\u00e4hrung ohne Pati\u00aden\u00adten\u00adver\u00adf\u00fc\u00adgung: Keine Arzthaftung"},"content":{"rendered":"<p>Wenn \u00c4rzte einen Patienten durch k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung l\u00e4nger als medizinisch sinnvoll am Leben erhalten, m\u00fcssen sie daf\u00fcr nicht haften. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Grundsatzurteil entschieden (AZ VI ZR 13\/18). Geklagt hatte der Sohn eines Demenzkranken, der&nbsp;jahrelang \u00fcber eine Magensonde ern\u00e4hrt worden war. Eine Patientenverf\u00fcgung hatte der Vater nicht errichtet.<\/p>\n<p><a title=\"Vorsorge-Generator\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/service\/vorsorgegenerator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorsorgen f\u00fcr den Ernstfall: Wir helfen, Patientenverf\u00fcgung und andere wichtige Dokumente&nbsp;individuell zu erstellen. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<h2>Unn\u00f6tiges Leiden durch k\u00fcnst\u00adli\u00adche Ern\u00e4hrung: Sohn forderte Schmerzensgeld<\/h2>\n<p>Der Vater des Kl\u00e4gers war in seinen letzten Lebensjahren <strong>dement, sprach- und bewegungsunf\u00e4hig<\/strong>. Zudem litt er unter Lungenentz\u00fcndungen und einer Gallenblasenentz\u00fcndung.&nbsp;Von 2006 bis zu seinem Tod 2011 wurde er <strong>\u00fcber eine Magensonde ern\u00e4hrt<\/strong>.&nbsp;Der Patient&nbsp;stand unter der rechtlichen Betreuung durch einen&nbsp;Rechtsanwalt, behandelnder Arzt war ein niedergelassener Allgemeinmediziner.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger vertrat die Auffassung, dass der Arzt das <strong>Leiden <\/strong>seines Vaters durch die k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung<strong> unn\u00f6tig verl\u00e4ngert<\/strong> h\u00e4tte: Die lebenserhaltende Ma\u00dfnahme h\u00e4tte sp\u00e4testens Anfang 2010 eingestellt werden m\u00fcssen. Er forderte <strong>Schmerzensgeld<\/strong>&nbsp;sowie die Erstattung&nbsp;von entstandenen <strong>Behandlungs- und Pflegekosten&nbsp;<\/strong>in insgesamt sechsstelliger H\u00f6he.<\/p>\n<h2>Keine Pati\u00aden\u00adten\u00adver\u00adf\u00fc\u00adgung: Eigener Wille des Vaters nicht feststellbar<\/h2>\n<p>Eine entscheidende&nbsp;<strong>Schwierigkeit<\/strong> bei dem Fall: Eine <strong><a title=\"Patientenverf\u00fcgung oder Vorsorgevollmacht: Was ist besser?\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/patientenverfuegung-oder-vorsorgevollmacht-was-ist-besser-8\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Patientenverf\u00fcgung<\/a><\/strong>, die den Willen des Vaters pro oder kontra k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung eindeutig festgehalten h\u00e4tte, <strong>gab es nicht<\/strong>. Aufgrund der fortgeschrittenen Demenz und Sprachunf\u00e4higkeit lie\u00df sich dieser auch nicht anderweitig feststellen. So musste der behandelnde Arzt ausschlie\u00dflich nach der <strong>medizinischen Indikation<\/strong> entscheiden.<\/p>\n<h2>BGH weist Klage ab: Wei\u00adter\u00adle\u00adben darf nicht als Schaden gewertet werden<\/h2>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/privatrechtsschutz\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18457 size-full alignright\" title=\"Privatrechtsschutz von ADVOCARD\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Vererben_Vorsorgen_A-300x190.png\" alt=\"Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz\" width=\"300\" height=\"190\"><\/a><\/h2>\n<p>Nachdem das <strong>Landgericht M\u00fcnchen<\/strong> die Klage zun\u00e4chst abgewiesen hatte (AZ 9 O 5246\/14),&nbsp;sprach das <strong>Oberlandesgericht M\u00fcnchen<\/strong> dem Kl\u00e4ger in n\u00e4chster Instanz ein Schmerzensgeld in f\u00fcnfstelliger H\u00f6he zu (AZ 1 U 454\/17). Das OLG sah&nbsp;es als gegeben an, dass der behandelnde Arzt Pflichten verletzt habe. Sowohl der Arzt als auch der Kl\u00e4ger gingen gegen dieses Urteil in<strong> Revision<\/strong>, sodass schlie\u00dflich der <strong>BGH<\/strong> zu entscheiden hatte \u2013 der die Klage abwies und dem Kl\u00e4ger <strong>kein Recht auf Schmerzensgeld<\/strong> zusprach.<\/p>\n<p>Der BGH erl\u00e4uterte das Urteil so: Es stehe keinem Dritten zu, \u00fcber den <strong>Wert des menschlichen Lebens<\/strong> zu urteilen. Das Weiterleben d\u00fcrfe daher \u2013 auch unter den gegebenen Bedingungen \u2013 <strong>nicht als Schaden<\/strong> angesehen werden. Entsprechend sei auch kein immaterieller Schaden entstanden, der Schadenersatz- oder Schmerzensgeldanspr\u00fcche begr\u00fcnden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>H\u00e4tte es eine <strong>Patientenverf\u00fcgung<\/strong> gegeben, in der der Vater die k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung per Magensonde ausdr\u00fccklich abgelehnt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte <a title=\"Warum Rechtsschutz?\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/rechtsschutzversicherung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>sein Wille den Ausschlag gegeben<\/strong><\/a>&nbsp;\u2013 selbst wenn die lebenserhaltende&nbsp;Ma\u00dfnahme nach medizinischer Indikation noch sinnvoll erschienen w\u00e4re. Aber auch in einem solchen Fall, so der BGH, d\u00fcrfe nie die Schlussfolgerung gezogen werden, dass das Leben des Patienten ein Schaden sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn \u00c4rzte einen Patienten durch k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung l\u00e4nger als medizinisch sinnvoll am Leben erhalten, m\u00fcssen sie daf\u00fcr nicht haften. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Grundsatzurteil entschieden (AZ VI ZR 13\/18). Geklagt hatte der Sohn eines Demenzkranken, der&nbsp;jahrelang \u00fcber eine Magensonde ern\u00e4hrt worden war. Eine Patientenverf\u00fcgung hatte der Vater nicht errichtet. Vorsorgen f\u00fcr den [\u2026]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18894"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18894"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18894\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18907,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18894\/revisions\/18907"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18894"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18894"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}