{"id":18142,"date":"2018-12-20T14:06:01","date_gmt":"2018-12-20T13:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/deed-poll-englischer-adelstitel-vom-bgh-abgelehnt\/"},"modified":"2018-12-21T12:01:14","modified_gmt":"2018-12-21T11:01:14","slug":"deed-poll-englischer-adelstitel-vom-bgh-abgelehnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/deed-poll-englischer-adelstitel-vom-bgh-abgelehnt\/","title":{"rendered":"Deed Poll: Eng\u00adli\u00adscher Adels\u00adti\u00adtel vom BGH abgelehnt"},"content":{"rendered":"<p>Ein englischer Adelstitel ist nach britischem Recht leicht zu haben, aber in Deutschland schwer zu tragen. Das musste eine selbsternannte \"Gr\u00e4fin\" vor dem Bundesgerichtshof (BGH) erfahren. Sie darf ihren erworbenen Stand nicht offiziell im Personenstandsregister f\u00fchren.<\/p>\n<p><a title=\"Rundum abgesichert mit ADVOCARD-360\u00b0-PRIVAT\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/360-grad\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bei allen wichtigen Entscheidungen immer gut beraten. &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<h2>Deed Poll macht B\u00fcr\u00adger\u00adli\u00adche zur Gr\u00e4fin<\/h2>\n<p>2011&nbsp;verwandelte sich&nbsp;eine B\u00fcrgerliche im schweizerischen Bern in eine Adelige. Sie ging dort als Silke Nicole V. in die britische Botschaft hinein und kam als&nbsp;Silia Valentina Mariella Gr\u00e4fin von F\u00fcrstenstein heraus. Was wie ein M\u00e4rchen klingt, machte ein&nbsp;<strong>b\u00fcrokratischer Kniff<\/strong>&nbsp;m\u00f6glich: Deed Poll. Das Verfahren erlaubt Privatpersonen nach britischem Recht einseitig, also praktisch auf eigenen Wunsch hin, ihren Namen zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Frau V. konnte das nutzen, weil sie sowohl die deutsche (per Geburt 1983) als auch seit 1999 die britische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt. 2013 wurde ihr neuer Titel mit einem&nbsp;<strong>Eintrag in ihrem britischen Reisepass<\/strong> best\u00e4tigt und damit amtlich. So sollte es nach dem Willen der 35-J\u00e4hrigen auch in Deutschland sein. Doch hier ist es mangels Deed Poll mit einer <a title=\"Namens\u00e4nderung: Wann kann man seinen Namen \u00e4ndern lassen?\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/namensaenderung-wann-kann-man-seinen-namen-aendern-lassen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Namens\u00e4nderung<\/a> nicht so einfach.<\/p>\n<h2>Eng\u00adli\u00adscher Adels\u00adti\u00adtel scheitert vor deutschem Standesamt<\/h2>\n<p>Ob ein neuer Name beziehungsweise Titel getragen&nbsp;werden darf, muss das zust\u00e4ndige Standesamt entscheiden. Im Fall von V. lehnte die Beh\u00f6rde den Antrag dazu ab. Damit wollte sich die Deutsch-Britin nicht abfinden und versuchte, ihren erworbenen Adelstitel auf dem <a title=\"Private Rechts\u00adschutz\u00adversicherung bei ADVOCARD\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/info\/privat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsweg<\/a> durchzusetzen.<\/p>\n<p>Dazu pochte sie auf Artikel 48 Satz 1 Halbsatz 1 Einf\u00fchrungsgesetz zum B\u00fcrgerlichen Gesetzbuche (EGBGB). Demnach ist es gestattet, einen im Ausland erworbenen und im dortigen&nbsp;Personenstandsregister eingetragenen Namen ebenfalls in Deutschland zu f\u00fchren. Und das grunds\u00e4tzlich auch, wenn er auf einer einseitigen \u00c4nderung (Deed Poll) beruht.<\/p>\n<p>Doch V. scheiterte erst vor dem Amtsgericht, dann vor dem Oberlandesgericht und schlie\u00dflich stoppte der<strong> Bundesgerichtshof<\/strong> (AZ&nbsp;XII ZB 292\/15) das Begehren. Ihr englischer Adelstitel ist damit in Deutschland nicht offiziell g\u00fcltig.<\/p>\n<h2>Alter Artikel bremst neue Adelige aus<a href=\"https:\/\/www.advocard.de\/privatrechtsschutz\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-9267 size-full\" title=\"Privat-Rechtsschutz von ADVOCARD\" src=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A.png\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" srcset=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A.png 313w, https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vererben_Vorsorgen_A-300x190.png 300w\" alt=\"Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz\" width=\"313\" height=\"198\"><\/a><\/h2>\n<p>Der Grund: Eine frei gew\u00e4hlte deutschsprachige Adelsbezeichnung ist nach deutschem Recht ung\u00fcltig. Das w\u00e4re anders, wenn es sich um einen bestehenden Titel handelte. Neue jedoch schlie\u00dft der&nbsp;g\u00fcltige&nbsp;Artikel 109 Absatz 3 Satz 2 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) aus. Der besagt, dass&nbsp;<strong>Adelstitel in Deutschland nicht mehr vergeben werden d\u00fcrfen<\/strong>. Lediglich alte k\u00f6nnen als einfacher Namensteil ohne&nbsp;dar\u00fcber hinausgehende&nbsp;Bedeutung weiterbestehen.<\/p>\n<p>Die Karlsruher Richter kommentieren ihre Entscheidung wie folgt: \"Dieser Vorschrift ist zumindest in ihrer Tendenz zu entnehmen, dass sie jedes staatliche Handeln missbilligt, welches zu einer Schaffung von neuen Adelsbezeichnungen oder zum Wiederaufleben erloschener Adelsbezeichnungen f\u00fchrt, auch wenn diese nur noch als Bestandteile des b\u00fcrgerlichen <a title=\"Namensrecht: Rechtliches zum Ehe- und Familiennamen\" href=\"https:\/\/www.advocard.de\/streitlotse\/familie-und-vorsorge\/namensrecht-rechtliches-zum-ehe-und-familiennamen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familiennamens<\/a> gelten.\"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein englischer Adelstitel ist nach britischem Recht leicht zu haben, aber in Deutschland schwer zu tragen. Das musste eine selbsternannte \"Gr\u00e4fin\" vor dem Bundesgerichtshof (BGH) erfahren. 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