Grund­sätz­lich müssen Urlaubs­wün­sche berück­sich­tigt werden Andrey Popov, Fotolia

21. Juni 2017, 9:26 Uhr

Arbeit und Urlaub Urlaubs­pla­nung: Darf geneh­mig­ter Urlaub gestri­chen werden?

Wenn die Urlaubspläne feststehen, aber  genehmigter Urlaub gestrichen wird, ist das für den Arbeitnehmer sehr unangenehm. Aber genehmigter Urlaub steht grundsätzlich fest. Ein Unternehmen kann nur in seltenen Ausnahmefällen die Urlaubsplanung nachträglich ändern. Dafür ist außerdem die Zustimmung des betroffenen Mitarbeiters erforderlich.

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Geneh­mig­ten Urlaub ver­schie­ben ist nicht erlaubt

Jedes Unternehmen hat zwar das Recht, die Urlaubsplanung der Mitarbeiter so abzustimmen, dass die Betriebsabläufe möglichst wenig beeinträchtigt werden. Doch grundsätzlich gilt per Gesetz, dass das Unternehmen die Urlaubswünsche des Personals zu berücksichtigen hat. Eine einmal erteilte Zusage muss daher eingehalten werden. Das gilt auch bei der nachträglichen Feststellung, dass der Zeitpunkt nicht passt. Dementsprechend hoch legt die Rechtsprechung die Messlatte, wann es erlaubt ist, genehmigten Urlaub zu verschieben oder zu streichen.

Rücknahme der Zusage nur bei gewich­ti­gem Grund

Nicht ausreichend ist es beispielsweise, wenn der betroffene Mitarbeiter gebraucht wird, um vorübergehende Auftragsspitzen personell abzufedern oder um ein hohes saisonal bedingtes Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Den Urlaub zu verschieben oder ganz zu streichen braucht einen gewichtigen Ausnahmegrund. Beispielsweise die Folge einer Naturkatastrophe oder eine existenzbedrohende Unternehmenskrise, die der Arbeitnehmer quasi als einziger lösen könnte. Der einseitige Widerruf der Urlaubsplanung ist nur dann rechtens, wenn der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer eine einvernehmliche Regelung trifft. Sie muss ganz deutlich besagen, dass genehmigter Urlaub gestrichen wird und der Mitarbeiter damit einverstanden ist.

Ange­tre­te­ner Urlaub darf beendet werden

Noch schwieriger wird die Änderung der Urlaubsplanung, wenn der Arbeitnehmer bereits seinen Urlaub angetreten hat und das Unternehmen ihn vom Reiseort zurückrufen möchte. Rechtlich gesehen ist es dann vollständig unzulässig, wenn genehmigter Urlaub gestrichen oder die Urlaubsplanung anderweitig geändert werden soll. Eine Klausel im Arbeitsvertrag, die vom Mitarbeiter im Notfall einen Urlaubsabbruch verlangt, ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts regelmäßig unwirksam (AZ 9 AZR 404/99). Eine Ausnahme schafft auch hier eine klare einvernehmliche Regelung. Sollte der Arbeitnehmer zur Rückreise bereit sein, hat das Unternehmen alle dabei anfallenden Kosten zu tragen – im Zweifel für die gesamte Familie.

Trotz uner­laub­ten Widerrufs Reise nicht antreten

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So eine Kostenübernahme gilt übrigens auch dann, wenn die Urlaubsplanung verschoben wird und dem Angestellten dadurch Mehrkosten entstehen. Die Verlagerung einer Hotelbuchung von der Nebensaison in die teurere Hauptsaison wäre ein passendes Beispiel, in dem das Unternehmen den Differenzbetrag tragen muss. Wenn genehmigter Urlaub gestrichen wird oder der Arbeitnehmer Urlaub verschieben soll, ist das also im Regelfall unzulässig. Allerdings ist zu beachten, dass ein Arbeitnehmer auch einen rechtswidrigen Widerruf nicht einfach ignorieren darf. Wenn er trotzdem den Urlaub antritt, verstößt er gegen seinen Arbeitsvertrag und kann sich eine Abmahnung oder sogar Kündigung einhandeln. Bevor dem mit einer einstweiligen Verfügung des Arbeitsgerichts vorgebeugt wird, ist ein gemeinsames Gespräch zur gütlichen Klärung der Situation empfehlenswert.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema: Urlaubsanspruch

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